Business Model Canvas
Lernziele
Nach diesem Kapitel können Sie: * Die 9 Bausteine des Business Model Canvas nach Osterwalder erklären * Die Zusammenhänge zwischen Wertangebot, Kundensegmenten, Kanälen und Kundenbeziehungen verstehen * Einnahmequellen, Schlüsselressourcen, Haupttätigkeiten, Schlüsselpartner und Kostenstruktur identifizieren * Die Vorteile des Canvas-Modells im Angebotsprozess nutzen * BMC mit Requirements Engineering abgrenzen und kombinieren
1. Einführung: Was ist das Business Model Canvas?
Kerndefinition
Das Business Model Canvas (BMC) ist eine Methode von Alexander Osterwalder zur visuellen Darstellung und Entwicklung von Geschäftsmodellen auf einer einzigen Seite.
1.1 Bedeutung im Angebotsprozess
Im Angebotsprozess für IT-Lösungen – sei es zur Unterstützung neuer Geschäftsmodelle oder zur Entwicklung prototypischer bzw. innovativer Ansätze – erweist sich das Business Model Canvas als besonders nützlich für die Ermittlung und Analyse von Geschäftsprozessen und Kundenbedarfen.
Kernfunktionen: * Strukturierung: Es strukturiert ein Unternehmen in neun Schlüsselfaktoren wie Kundensegmente, Wertangebote, Kanäle, Einnahmequellen, Schlüsselressourcen und -aktivitäten, Schlüsselpartner und Kostenstrukturen * Visualisierung: Die Methode dient dazu, eine Geschäftsidee zu visualisieren, das Geschäftsmodell zu kommunizieren und strategische Abhängigkeiten zu verstehen * Analyse: Der BMC ist in neun Bausteine unterteilt, die üblicherweise auf einer großen Leinwand (Canvas) dargestellt werden und ein ganzheitliches Bild des Geschäftsmodells liefern
1.2 Warum das Canvas so mächtig ist
| Aspekt | Vorteil im Angebotsprozess |
|---|---|
| Schneller Überblick | Alle wichtigen Aspekte des Geschäftsmodells auf einer Seite |
| Kundenfokus | Besonderer Wert auf Kundensegmente, Wertversprechen und Kundenbeziehungen |
| Prozessintegration | Geschäftsprozesse werden analysiert, Schwachstellen identifiziert |
| Kollaboration | Hervorragend als Diskussionsgrundlage im Team |
| Agilität | Einfach anpassbar, Änderungen flexibel integrierbar |
2. Die 9 Bausteine des Business Model Canvas
Struktur
"Die neun Bausteine des Business Model Canvas helfen, das eigene Geschäftsmodell klar darzustellen, Optimierungspotenziale zu identifizieren und gezielte strategische Entscheidungen zu treffen."
2.1 Übersicht der Bausteine
graph TD
A[Business Model Canvas] --> B[Kundensegmente]
A --> C[Wertangebote]
A --> D[Kanäle]
A --> E[Kundenbeziehungen]
A --> F[Einnahmequellen]
A --> G[Schlüsselressourcen]
A --> H[Haupttätigkeiten]
A --> I[Schlüsselpartner]
A --> J[Kostenstruktur]
B -.-> C
C -.-> D
C -.-> E
C -.-> F
G -.-> H
H -.-> I
G -.-> J
H -.-> J
style A fill:#e1f5e1
style C fill:#fff4e1
2.2 Baustein 1: Kundensegmente (Customer Segments)
Definition: Beschreibt die verschiedenen Zielgruppen oder Organisationen, die ein Unternehmen erreichen und bedienen möchte.
Warum wichtig: Eine genaue Segmentierung ermöglicht ein besseres Verständnis der Bedürfnisse und Wünsche der Kunden.
| Frage | Ziel |
|---|---|
| Wer sind unsere wichtigsten Kunden(-gruppen)? | Identifikation der Zielgruppen |
| Für wen wird Wert geschaffen? | Fokus auf relevante Kunden |
| Welche Segmentierung macht Sinn? | Markt-, Geografie-, Verhaltenssegmente |
IT-Beispiele: * B2B-Kunden: Mittelständische Unternehmen, Konzerne * B2C-Kunden: Privatanwender, junge Erwachsene * Nischenkunden: Gesundheitssektor, Finanzbranche * Innovatoren: Early Adopters, Tech-Affine
2.3 Baustein 2: Wertangebote (Value Propositions)
Definition: Das Herzstück des BMC: Hier wird festgehalten, welchen Nutzen oder Mehrwert das Unternehmen seinen Kundengruppen bietet.
Kernfrage: Warum Kunden gerade dieses Angebot wählen sollen.
| Frage | Ziel |
|---|---|
| Welchen Wert liefern wir unseren Kunden? | Definition des Nutzens |
| Welche der Kundenprobleme können wir lösen? | Problemlösungskompetenz |
| Welche Produkt- und Dienstleistungsbündel können wir auch in anderen Kundensegmenten vermarkten? | Skalierbarkeit |
| Welche Kundenbedürfnisse befriedigen wir? | Kundenzentrierung |
IT-Beispiele für Wertangebote:
| Wertangebot | Beschreibung | Kundennutzen |
|---|---|---|
| Cloud-Infrastruktur | Skalierbare Server-Ressourcen auf Abruf | Keine eigene Hardware-Investitionen |
| SaaS-Lösung | Software als Service im Abo-Modell | Stets aktuelle Software, niedrige Eintrittsbarriere |
| AI-powered Analytics | Intelligente Datenanalyse | Bessere Entscheidungsgrundlage |
| Integration-Plattform | Nahtlose System-Integration | Reduzierte manueller Aufwand |
| Cybersecurity Suite | Umfassender Schutz vor Cyber-Angriffen | Datensicherheit und Compliance |
2.4 Baustein 3: Kanäle (Channels)
Definition: Beschreibt, wie das Unternehmen mit seinen Kundensegmenten kommuniziert und ihnen das Wertangebot liefert.
Umfasst: Vertriebswege, Kommunikationskanäle und alle Berührungspunkte mit dem Kunden.
| Frage | Ziel |
|---|---|
| Über welche Kanäle wollen unsere Kundensegmente erreicht werden? | Kanal-Strategie |
| Wie erreichen wir sie momentan? | Status-quo-Analyse |
| Wie sind unsere Kanäle bereits integriert? | Multi-Channel-Integration |
| Welche Kanäle funktionieren am besten? | Effektivitätsmessung |
| Welche sind am kosteneffizientesten? | Effizienz-Optimierung |
| Wie werden die Kanäle in Kundenroutinen integriert? | User Journey |
IT-Kanäle:
| Kanaltyp | Beispiele | Vor- und Nachteile |
|---|---|---|
| Direkte Vertriebskanäle | Eigener Webshop, Sales-Team | ✅ Kontrolle, höhere Marge ❌ Hoher Aufwand |
| Indirekte Vertriebskanäle | Partner, Reseller, Distributoren | ✅ Schnelle Skalierung ❌ Geringere Marge, weniger Kontrolle |
| Web-basiert | Website, E-Mail, SEO, Social Media | ✅ Skalierbar, messbar ❌ Hoher Wettbewerb |
| Mobile | App, Push-Benachrichtigungen | ✅ Hohe Engagement-Rate ❌ Plattform-Abhängigkeit |
| Hybrid | Online + Offline, Omnichannel | ✅ Flexibilität ❌ Komplexität |
2.5 Baustein 4: Kundenbeziehungen (Customer Relationships)
Definition: Definiert die Art der Beziehung, die das Unternehmen zu seinen einzelnen Kundensegmenten aufbaut und pflegt.
Beispiele: Persönlicher Service, Selbstbedienung oder automatisierte Dienstleistungen.
| Frage | Ziel |
|---|---|
| Welche Art von Beziehung erwartet jedes unserer Kundensegmente von uns, die wir zu ihnen aufbauen und pflegen? | Erwartungsmanagement |
| Welche haben wir bereits aufgebaut? | Bestandsanalyse |
| Wie weit sind unsere Kunden in den Rest unseres Business Modells integriert? | Integrationsgrad |
| Wie kostspielig sind sie? | Kosteneffizienz |
Beziehungstypen im IT-Bereich:
| Beziehungstyp | Beispiele | Einsatzbereich |
|---|---|---|
| Persönliche Unterstützung | Dedicated Account Manager, On-Site Support | Enterprise-Kunden, komplexe Projekte |
| Selbstbedienung | Knowledge Base, Community-Forum, FAQ | SaaS-Produkte, Standard-Lösungen |
| Automatisierte Services | Chatbots, E-Mail-Automatisierung, Self-Service Portale | Massenmarkt, Standard-Anfragen |
| Co-Creation | Beta-Programme, User Advisory Boards | Produktentwicklung, Innovationsprojekte |
| Communities | User Groups, Meetups, Online-Communities | Open Source, Plattformen |
| Transaktionelle Beziehungen | One-Time-Käufe, Pay-per-Use | Kleinere Transaktionen |
2.6 Baustein 5: Einnahmequellen (Revenue Streams)
Definition: Beschreibt, wie und womit Geld verdient wird.
| Frage | Ziel |
|---|---|
| Wie verdient unser Unternehmen Geld? | Einnahmequelle identifizieren |
| Wofür zahlen Kunden bereitwillig Geld? | Zahlungsbereitschaft verstehen |
| Wie aktuell werden Einnahmen generiert? | Aktuelles Modell verstehen |
| Wie würde sich dies bei einer Änderung des Geschäftsmodells ändern? | Zukunfts-Szenarien |
Einnahmequellen im IT-Bereich:
| Typ | Beispiele | Vor- und Nachteile |
|---|---|---|
| Abonnement-Modell (SaaS) | Monatliche/Jährliche Gebühren | ✅ Wiederkehrende Einnahmen ❌ Hohe Churn-Risiken |
| Lizenzierung | Einmalige Lizenzgebühren | ✅ Hohe Marge, Cashflow ❌ Einmalig, keine Wiederkehrenden |
| Pay-per-Use / Usage-based | Cloud-Computing, API-Calls | ✅ Fair, skalierbar ❌ Unvorhersehbar für Kunden |
| Transaktionsgebühren | Marketplace, Payment-Gateway | ✅ Skalierbar mit Transaktionsvolumen ❌ Abhängig von Volumen |
| Wartung & Support | SLAs, Premium-Support | ✅ Stabile Wiederkehrende ❌ Kann als Standard erwartet werden |
| Freemium | Kostenlose Basis-Version, Premium-Features | ✅ Niedrige Eintrittsbarriere ❌ Hohe Konversionskosten |
| Werbe-Einnahmen | Ad-Supported Services | ✅ Kostenlos für Nutzer ❌ Abhängig von Werbekunden |
2.7 Baustein 6: Schlüsselressourcen (Key Resources)
Definition: Die wichtigsten Ressourcen, die benötigt werden, um das Geschäftsmodell zu realisieren.
| Frage | Ziel |
|---|---|
| Welche Ressourcen werden für das Geschäftsmodell benötigt? | Ressourcen-Identifikation |
| Welche Ressourcen sind kritisch für den Erfolg? | Priorisierung |
| Welche Ressourcen können von Partnern bereitgestellt werden? | Partner-Integration |
| Wie teuer sind diese Ressourcen? | Kosteneffizienz |
Ressourcentypen im IT-Bereich:
| Ressourcentyp | Beispiele | Bewertung |
|---|---|---|
| Physische Ressourcen | Rechenzentrum, Hardware, Server, Büros | ⚠️ Hohe Investition, Skalierbarkeit begrenzt |
| Intellektuelle Ressourcen | Patente, Copyright, Datenbanken, Kundenlisten | ✅ Hoher Wert, Diffizierend |
| Humane Ressourcen | Entwickler, Architekten, Berater, Support-Mitarbeiter | ⚠️ Kritisch, qualitativ wichtig |
| Finanzielle Ressourcen | Cash-Reserven, Kreditlinien, Investoren-Kapital | ✅ Liquidität sichert Wachstum |
| Digitale Ressourcen | Software-Code, Plattformen, APIs, Algorithmen | ✅ Skalierbar, automatisierbar |
2.8 Baustein 7: Haupttätigkeiten (Key Activities)
Definition: Die zentralen Handlungen, die nötig sind, damit das Wertangebot funktioniert.
| Frage | Ziel |
|---|---|
| Welche zentralen Handlungen sind nötig, damit das Wertangebot funktioniert? | Aktivitäten identifizieren |
| Welche Aufgaben sind kritisch für den Erfolg? | Priorisierung |
| Welche Aktivitäten können ausgelagert werden? | Outsourcing-Optionen |
| Wie effizient können diese Aktivitäten durchgeführt werden? | Prozessoptimierung |
Aktivitätstypen im IT-Bereich:
| Aktivitätstyp | Beispiele | Bewertung |
|---|---|---|
| Produkt-Entwicklung | Software-Entwicklung, Feature-Implementation, UX-Design | ✅ Kernwert, Differenzierung |
| Plattform-Betrieb | Cloud-Infrastruktur, Monitoring, Maintenance | ⚠️ Operational, aber kritisch |
| Vertrieb & Marketing | Lead-Generation, Sales-Calls, Content-Marketing | ⚠️ Wachstumstreiber |
| Support & Service | Kundenservice, Troubleshooting, Schulungen | ✅ Kundenbindung |
| Partnerschafts-Management | Partner-Integration, Beziehungspflege | ⚠️ Skalierung |
| Compliance & Security | Auditierung, Security-Checks, DSGVO-Konformität | ✅ Risikomanagement |
2.9 Baustein 8: Schlüsselpartner (Key Partners)
Definition: Wichtige externe Partner und Zulieferer für das Modell.
| Frage | Ziel |
|---|---|
| Wer sind unsere Schlüsselpartner? | Partner-Identifikation |
| Welche Wertschöpfung liefern sie? | Nutzen-Bewertung |
| Welche Aktivitäten werden von ihnen durchgeführt? | Delegation |
| Welche Ressourcen werden von ihnen bereitgestellt? | Ressourcen-Sharing |
Partnertypen im IT-Bereich:
| Partnertyp | Beispiele | Vor- und Nachteile |
|---|---|---|
| Strategische Allianzen | Joint Ventures, strategische Partnerschaften | ✅ Zugang zu neuen Märkten ❌ Hohe Komplexität |
| Coopetition | Kooperation mit Wettbewerbern | ✅ Synergien nutzen ❌ Risiko von Wettbewerb |
| Lieferanten | Hardware-Lieferanten, Cloud-Provider | ✅ Skalierbarkeit ❌ Abhängigkeit |
| Distributoren | Reseller, System Integrator | ✅ Marktzugang ❌ Marge-Verlust |
| Technologie-Partner | API-Integration, OEM-Partner | ✅ Technologie-Transfer ❌ Integration-Aufwand |
2.10 Baustein 9: Kostenstruktur (Cost Structure)
Definition: Welche Kosten entstehen und wo sind die Hauptkostentreiber.
| Frage | Ziel |
|---|---|
| Welche Kosten entstehen? | Kostentransparenz |
| Wo sind die Hauptkostentreiber? | Fokus-Bereiche |
| Welche Kosten sind fix, welche variabel? | Kostendynamik |
| Wie können Kosten reduziert werden? | Optimierung |
Kostenmodelle im IT-Bereich:
| Kostenmodell | Beispiele | Vor- und Nachteile |
|---|---|---|
| Cost-Driven | Niedrigpreisanbieter, Standard-Lösungen | ✅ Hohe Margen bei hohen Volumen ❌ Wenig Differenzierung |
| Value-Driven | Premium-Lösungen, maßgeschneiderte Services | ✅ Hohe Margen, Loyalität ❌ Geringeres Volumen |
| Fixe Kosten | Infrastruktur, Personal, Lizenzen | ⚠️ Skalierbar, aber hoher Break-even |
| Variable Kosten | Cloud-Computing, Pay-per-Use | ✅ Skalierbar nach Bedarf ❌ Unvorhersehbar bei Spikes |
| Misch-Modell | Fixe Basis + skalierbare Komponenten | ✅ Balance aus Stabilität und Skalierbarkeit |
3. Vorteile des Canvas-Modells
Warum BMC so effektiv ist
Das Canvas-Modell ist ein praxisbewährtes Werkzeug, das Transparenz und Klarheit schafft und somit wesentlich zur systematischen Ermittlung und Verbesserung von Geschäftsprozessen und Kundenbedarfen beiträgt.
3.1 Kernvorteile
| Vorteil | Beschreibung | Nutzen im Angebotsprozess |
|---|---|---|
| Visualisierung | Klare, visuelle Darstellung des Geschäftsmodells | Einfaches Verständnis und Kommunikation |
| Fokus auf Kundennutzen | Besonderer Wert auf Kundensegmente, Wertversprechen und Kundenbeziehungen | Kundenbedarfe gezielt herausgearbeitet und dokumentiert |
| Prozessintegration | Bereiche wie Schlüsselaktivitäten und Partner helfen, Geschäftsprozesse zu analysieren | Schwachstellen und Optimierungspotenziale im Angebotsprozess identifizieren |
| Teamwork und Kommunikation | Eignet sich hervorragend als Diskussionsgrundlage im Team | Leicht verständlich und kollaborativ ausfüllbar |
| Agilität | Durch einfache Anpassbarkeit können Erkenntnisse und Änderungen flexibel integriert werden | Schnelles Reagieren auf Marktveränderungen |
| Strategische Planung | Hilft, die einzelnen Komponenten eines Geschäftsmodells zu verstehen | Abhängigkeiten zwischen Komponenten erkennen |
| Entwicklung | Nützliches Werkzeug für Gründer und Startups | Geschäftsideen entwickeln und visualisieren |
| Flexibilität | Durch Arbeit mit Haftnotizen können schnell Ideen erstellt, ausgetauscht und Anpassungen vorgenommen werden | Iteratives Vorgehen möglich |
| Ganzheitlicher Überblick | Alle wichtigen Aspekte des Geschäftsmodells sind auf einer Seite zusammengefasst | Umfassende Perspektive |
3.2 Typisches Vorgehen
graph LR
A[Vorbereitung] --> B[Verständnis für die neun Segmente]
B --> C[Ausfüllen des Canvas]
C --> D[Zusammenhänge und Abhängigkeiten prüfen]
D --> E[Anpassung und Optimierung]
E --> F[Regelmäßige Überarbeitung]
style A fill:#e1f5ff
style C fill:#fff4e1
style E fill:#e1ffe1
Schritt-für-Schritt:
-
Vorbereitung:
- Sammeln der relevanten Stakeholder und Materialien (z.B. Whiteboard, Vorlage oder digitale Tools)
- Beim Präsentmeeting/Workshop empfiehlt sich mit einem leeren, gedruckten Canvas zu starten
-
Verständnis für die neun Segmente:
- Kurz mit dem Team klären, welche Bedeutung und Funktion die neun Elemente des Canvas haben
-
Ausfüllen des Canvas:
- Die neun Felder des Canvas systematisch mit den wichtigsten Informationen füllen
- Dabei mit den Punkten beginnen, bei denen die meisten Informationen vorliegen (z.B. Zielgruppen oder Wertangebot)
- Fragen im Team diskutieren und Notizen (z.B. auf Haftnotizen) platzieren, um flexibel Änderungen vorzunehmen
-
Zusammenhänge und Abhängigkeiten prüfen:
- Beeinflussungen und Wechselwirkungen der einzelnen Bausteine analysieren
- Das Geschäftsmodell als Ganzes verstehen und Schwachstellen erkennen
-
Anpassung und Optimierung:
- Das Canvas regelmäßig überarbeiten
- An geänderte Markt- oder Unternehmensbedingungen anpassen
3.3 Tipps zur Anwendung
| Tipp | Umsetzung |
|---|---|
| Interdisziplinäre Teams | Am effektivsten ist die Arbeit in Teams mit unterschiedlichen Perspektiven |
| Flexibilität | Farbige Klebezettel oder digitale Tools bieten Flexibilität für iterative Verbesserungen |
| Aktualität | Regelmäßige Aktualisierung sorgt dafür, dass das Canvas stets den aktuellen Stand widerspiegelt |
| Reihenfolge | Mit Kundensegmenten und Wertangebot starten |
| Iterativ | Das Canvas ist niemals fertig – es wird ständig weiterentwickelt |
4. BMC im Angebotsprozess
Praktischer Nutzen
Durch das Ausfüllen des Canvas wird klar: Welche Kunden besonders relevant sind, welche internen Prozesse entscheidend sind, wo Partner zur Effizienzsteigerung beitragen können und wo Kostentreiber liegen.
4.1 Nutzen im Angebotsprozess
Durch das Ausfüllen des Canvas wird klar:
| Aspekt | Was wird deutlich? | Beispiel |
|---|---|---|
| Kundenrelevanz | Welche Kunden besonders relevant sind und wie deren Bedürfnisse im Angebot adressiert werden können | Fokus auf Enterprise-Kunden statt SME |
| Interne Prozesse | Welche internen Prozesse (z.B. Angebotskalkulation) entscheidend sind und wie sie optimiert werden könnten | Automatisierung der Kalkulation |
| Partner-Integration | An welchen Stellen Partner zur Effizienzsteigerung beitragen können (z.B. Standard-Cloud-Lösungen statt Eigenentwicklung) | Nutzung von AWS Services |
| Kostentreiber | Wo Kostentreiber und potenzielle Einsparungen im Angebotsprozess liegen | Reduktion der Support-Kosten durch Self-Service |
4.2 Beispiel: Bio-Lebensmittel-Lieferservice
| Baustein | Beispiel-Inhalt |
|---|---|
| Kundensegmente | Gesundheitsbewusste Verbraucher, Familien, vegane und vegetarische Haushalte |
| Wertangebote | Frische, biologische Lebensmittel direkt nach Hause geliefert, schnelle Lieferung, transparente Herkunft |
| Kanäle | Online-Shop, Mobile App, Social Media Marketing, lokale Märkte |
| Kundenbeziehungen | Persönliche Beratung per Chat, Newsletter mit Rezeptideen, Treueprogramme |
| Einnahmequellen | Verkauf von Lebensmitteln, Abonnements für regelmäßige Lieferungen |
| Schlüsselressourcen | Lokale Bio-Bauern, Lieferfahrzeuge, IT-Infrastruktur für Shop und App |
| Schlüsselaktivitäten | Einkauf und Auswahl der Produkte, Logistik und Auslieferung, Kundenservice |
| Schlüsselpartner | Lokale Bio-Bauern, Verpackungsanbieter, Lieferdienstleister |
| Kostenstruktur | Einkaufskosten, Logistik, Marketing, Personal, IT-Betrieb |
4.3 Praxis-Beispiel: IT-Dienstleister für Cloud-Migration
Kundensegmente: Mittelständische Unternehmen, die von On-Premise zu Cloud migrieren wollen
Wertangebote: * Schnelle, risikofreie Cloud-Migration * Kosteneffizienz durch Pay-as-you-go * Modernisierung der IT-Infrastruktur * Skalierbarkeit ohne hohe Vorabinvestitionen
Kanäle: * Direkte Sales-Aufrufe bei IT-Entscheidern * Webinare zur Cloud-Education * Whitepapers und Case Studies * Partner-Netzwerk (System Integrators)
Kundenbeziehungen: * Dedicated Migration Consultant * 24/7 Support während und nach Migration * Regelmäßige Status-Meetings * Cloud-Cost-Optimization als Service
Einnahmequellen: * Migration-Projektgebühren (einmalig) * Cloud-Management-Services (monatlich) * Cloud-Cost-Optimization Service * Training und Schulungen
Schlüsselressourcen: * Cloud-Architekten und -Experten * Migration-Tools und Automatisierungs-Scripts * Partnerschaft mit Cloud-Providern (AWS, Azure, GCP) * Migration-Framework und Best Practices
Schlüsselaktivitäten: * Assessment und Planung * Migration-Execution * Cloud-Kosten-Optimierung * Customer Success Management
Schlüsselpartner: * Cloud-Provider (AWS, Azure, GCP) * System-Integrators * Sicherheits- und Compliance-Firmen * Netzwerk- und Connectivity-Partner
Kostenstruktur: * Personal (Cloud-Architekten, Engineers) * Cloud-Infrastruktur-Kosten * Marketing und Sales * Tool-Lizenzen
5. BMC versus Requirements Engineering
Zusammenspiel
Beide Methoden ergänzen sich: Oft ist es sinnvoll, zunächst mit dem BMC das Geschäftsmodell grob zu skizzieren und danach die Anforderungen systematisch im Detail zu erarbeiten.
5.1 Vergleich der Methoden
| Aspekt | Business Model Canvas | Requirements Engineering |
|---|---|---|
| Ziel | Visualisierung und Strukturierung des gesamten Geschäftsmodells auf einer Seite | Systematische und vollständige Erhebung, Dokumentation, Validierung und Verwaltung von Anforderungen |
| Einsatzphase | Frühe Konzeptions- und Innovationsphase | Konkrete Produkt- oder Software-Entwicklung |
| Fokus | Ganzheitliches Geschäftsmodell, Kundenbeziehungen, Wertschöpfung | Detaillierte funktionale und nicht-funktionale Anforderungen |
| Teamwork | Fördert Teamarbeit, Kreativität und gemeinsames Verständnis | Strukturierte Zusammenarbeit mit Stakeholdern |
| Anpassbarkeit | Schnell anpassbar, weniger detailliert, aber sehr anschaulich | Sehr strukturiert, meist detaillierter |
| Detailgrad | Übersichtlich, strategisch | Granular, technisch |
| Kommunikation | Ideal für schnelle Kommunikation von Geschäftsmodellen | Ideal für präzise Kommunikation von Anforderungen |
| Änderungsmanagement | Flexibel, schnell anpassbar | Formeller Prozess für Änderungen |
5.2 Wann welche Methode?
Business Model Canvas verwenden, wenn: * Schnelle und übersichtliche Entwicklung und Visualisierung von Geschäftsmodellen nötig ist * Frühe Innovations- oder Konzeptphasen * Neue, innovative Produkte entwickelt werden * Zusammenhänge und Auswirkungen von Änderungen schnell überblickt werden müssen * Business-Modelle kommuniziert werden sollen
Requirements Engineering verwenden, wenn: * Genauere und lückenlose Erfassung und Beschreibung von Anforderungen nötig ist * Konkrete Produkt- oder Software-Entwicklung im Vordergrund steht * Große, komplexe oder regulierte Projekte * Nachvollziehbarkeit und vollständige Dokumentation gefordert sind * Hohe rechtliche oder Compliance-Anforderungen bestehen
5.3 Kombination der Methoden
graph TD
A[Start] --> B{Phase?}
B -->|Konzeptphase| C[Business Model Canvas]
B -->|Detailphase| D[Requirements Engineering]
C --> E[Übergang]
E --> F[Kernanforderungen identifizieren]
F --> D
D --> G[Anforderungen systematisch erarbeiten]
G --> H[Validierung]
style C fill:#fff4e1
style D fill:#e1f5ff
Empfohlener Ablauf:
-
Konzeptphase (BMC):
- Geschäftsmodell grob skizzieren
- Kundensegmente und Wertangebote identifizieren
- Wertschöpfungskette verstehen
- Hypothesen testen
-
Übergang:
- Kernanforderungen aus BMC ableiten
- Stakeholder identifizieren
- Priorisierungen durchführen
-
Detailphase (RE):
- Anforderungen systematisch erheben
- Spezifikationen erstellen
- Validierung durchführen
- Traceability herstellen
5.4 Synergie-Effekte
| Synergie | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Strukturiertere Anforderungen | BMC liefert Input für RE, indem es Stakeholder und Werte identifiziert | Kundensegmente → User Stories |
| Validierte Hypothesen | RE validiert Hypothesen aus BMC durch detaillierte Anforderungen | Wertangebot → Features |
| Ganzheitlicher Ansatz | BMC stellt sicher, dass RE nicht isoliert ist | Kanäle → Integrations-Anforderungen |
| Kundenfokus | BMC sichert Kundenfokus im RE-Prozess | Kundenbeziehungen → NFRs |
6. Praktische Anwendung: BMC-Fallstudie
Fallstudie: Start-up für HR-Software
6.1 Ausgangslage
Ein Start-up möchte eine SaaS-Lösung für Personalabteilungen entwickeln, die Recruiting-Prozesse automatisiert.
6.2 BMC-Arbeitsschritte
Schritt 1: Kundensegmente identifizieren
| Segment | Bedürfnisse | Größe |
|---|---|---|
| Kleine Unternehmen (1-50 Mitarbeiter) | Einfach, günstig, schnell | 🟢 Groß |
| Mittelständische Unternehmen (50-500 Mitarbeiter) | Skalierbar, Integration, Support | 🟡 Mittel |
| Große Unternehmen (500+ Mitarbeiter) | Enterprise-Features, Compliance, Security | 🔴 Klein (aber hoher Umsatz) |
Schritt 2: Wertangebot definieren
| Kernproblem | Lösung | Wertversprechen |
|---|---|---|
| Recruiting zu zeitaufwendig | Automatisierte Kandidaten-Filterung | 70% Zeitersparnis bei Bewerbungen |
| Keine gute Übersicht | Dashboard mit allen Kandidaten | Klare Übersicht über Pipeline |
| Schlechte Kandidaten-Erfahrung | Schnelle Feedback-Prozesse | Bessere Candidate Experience |
Schritt 3: Kanäle bestimmen
| Kanal | Priorität | KPI |
|---|---|---|
| LinkedIn Recruiting | 🔴 Hoch | 50% Leads |
| Google Ads | 🟡 Mittel | 30% Leads |
| SEO & Content | 🟡 Mittel | 15% Leads |
| Partner (HR-Beratungen) | 🟢 Niedrig | 5% Leads |
Schritt 4: Kundenbeziehungen
| Segment | Beziehungstyp | Kosten pro Kunde |
|---|---|---|
| Kleine Unternehmen | Self-Service + E-Mail Support | €50/Monat |
| Mittelständische Unternehmen | Dedicated Account Manager | €500/Monat |
| Große Unternehmen | On-Premise + 24/7 Support | €5.000/Monat |
Schritt 5: Einnahmequellen
| Einnahmequelle | Modell | Anteil |
|---|---|---|
| Abonnement | Monatlich/Jährlich | 70% |
| Implementation-Project | Einmalig | 20% |
| Training & Consulting | Stundenbasis | 10% |
Schritt 6: Schlüsselressourcen
| Ressource | Beschreibung | Priorität |
|---|---|---|
| Entwickler-Team | 5-10 Full-Stack Entwickler | 🔴 Kritisch |
| Cloud-Infrastruktur | AWS oder Azure | 🔴 Kritisch |
| HR-Experten | Domain-Knowledge | 🟡 Wichtig |
| Sales-Team | Kundenakquise | 🟡 Wichtig |
Schritt 7: Schlüsselaktivitäten
| Aktivität | Zeitanteil | Outsourcing? |
|---|---|---|
| Produkt-Entwicklung | 40% | ❌ Nein |
| Sales & Marketing | 30% | ⚠️ Teilweise |
| Customer Success | 20% | ❌ Nein |
| Administration & HR | 10% | ✅ Ja |
Schritt 8: Schlüsselpartner
| Partner | Beitrag | Exklusivität |
|---|---|---|
| LinkedIn Recruiting API | Integration | ❌ Nein |
| ATS-Systeme (Greenhouse, Lever) | Integration | ❌ Nein |
| Cloud-Provider (AWS) | Infrastruktur | ⚠️ Mehrere Optionen |
Schritt 9: Kostenstruktur
| Kostenkategorie | Monatliche Kosten |
|---|---|
| Personal (€80.000/Monat) | 65% |
| Cloud (€15.000/Monat) | 12% |
| Marketing (€12.000/Monat) | 10% |
| Bürokosten (€10.000/Monat) | 8% |
| Sonstiges (€5.000/Monat) | 5% |
6.3 Ableitung von Anforderungen aus BMC
Aus dem BMC können folgende Anforderungen abgeleitet werden:
| BMC-Baustein | Anforderung | Typ |
|---|---|---|
| Kundensegmente | System muss für Unternehmen von 1-500 Mitarbeitern skalierbar sein | FR-001 |
| Wertangebot | Automatisierte Kandidaten-Filterung mittels AI | FR-002 |
| Wertangebot | Dashboard mit Echtzeit-Pipeline-Übersicht | FR-003 |
| Kanäle | Integration mit LinkedIn Recruiting API | FR-004 |
| Kundenbeziehungen | 24/7 Support für Enterprise-Kunden | FR-005 |
| Einnahmequellen | Flexible Abonnement-Modelle (monatlich/jährlich) | FR-006 |
| Schlüsselressourcen | Cloud-basierte Architektur für Skalierbarkeit | NFR-001 |
| Schlüsselaktivitäten | CI/CD-Pipeline für schnelle Releases | NFR-002 |
| Schlüsselpartner | Integration mit ATS-Systemen (Greenhouse, Lever) | FR-007 |
| Kostenstruktur | Kosteneffiziente Cloud-Ressourcen-Nutzung | NFR-003 |
7. Zusammenfassung
7.1 Kernpunkte
| Punkt | Beschreibung |
|---|---|
| Struktur | Das Business Model Canvas strukturiert ein Unternehmen in 9 Bausteine |
| Visualisierung | Alle wichtigen Aspekte des Geschäftsmodells auf einer Seite |
| Kundenfokus | Besonderer Wert auf Kundensegmente und Wertangeboten |
| Prozessintegration | Hilft, Geschäftsprozesse zu analysieren und zu optimieren |
| Teamwork | Hervorragend als kollaboratives Werkzeug |
| Agilität | Schnell anpassbar, Änderungen flexibel integrierbar |
| RE-Integration | BMC und RE ergänzen sich ideal |
7.2 Wann BMC verwenden?
| Szenario | Empfehlung |
|---|---|
| Neues Geschäftsmodell entwickeln | ✅ BMC zuerst |
| Innovative Ideen visualisieren | ✅ BMC zuerst |
| Großes IT-Projekt planen | ✅ BMC + RE |
| Detaillierte Anforderungen definieren | ❌ RE vorrangig |
| Reguliertes Projekt | ❌ RE vorrangig |
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Business Model Canvas (BMC) | Methode von Alexander Osterwalder zur visuellen Darstellung von Geschäftsmodellen auf einer einzigen Seite |
| Kundensegmente (Customer Segments) | Die verschiedenen Zielgruppen oder Organisationen, die ein Unternehmen erreichen und bedienen möchte |
| Wertangebote (Value Propositions) | Das Herzstück des BMC: Welchen Nutzen oder Mehrwert das Unternehmen seinen Kundengruppen bietet |
| Kanäle (Channels) | Beschreibt, wie das Unternehmen mit seinen Kundensegmenten kommuniziert und ihnen das Wertangebot liefert |
| Kundenbeziehungen (Customer Relationships) | Definiert die Art der Beziehung, die das Unternehmen zu seinen einzelnen Kundensegmenten aufbaut und pflegt |
| Einnahmequellen (Revenue Streams) | Beschreibt, wie und womit Geld verdient wird |
| Schlüsselressourcen (Key Resources) | Die wichtigsten Ressourcen, die benötigt werden, um das Geschäftsmodell zu realisieren |
| Haupttätigkeiten (Key Activities) | Die zentralen Handlungen, die nötig sind, damit das Wertangebot funktioniert |
| Schlüsselpartner (Key Partners) | Wichtige externe Partner und Zulieferer für das Modell |
| Kostenstruktur (Cost Structure) | Welche Kosten entstehen und wo sind die Hauptkostentreiber |
Verständnisfragen
1. Was ist das Business Model Canvas und wer hat es entwickelt?
Lösung: Das Business Model Canvas (BMC) ist eine Methode zur visuellen Darstellung und Entwicklung von Geschäftsmodellen auf einer einzigen Seite, entwickelt von Alexander Osterwalder. Es strukturiert ein Unternehmen in neun Schlüsselfaktoren.
2. Welche 9 Bausteine umfasst das Business Model Canvas?
Lösung: Die 9 Bausteine sind: 1) Kundensegmente, 2) Wertangebote, 3) Kanäle, 4) Kundenbeziehungen, 5) Einnahmequellen, 6) Schlüsselressourcen, 7) Haupttätigkeiten, 8) Schlüsselpartner, 9) Kostenstruktur.
3. Warum ist das BMC besonders im Angebotsprozess nützlich?
Lösung: Das BMC ist im Angebotsprozess nützlich, weil es hilft, Kundenbedarfe zu ermitteln, Geschäftsprozesse zu analysieren, Schwachstellen und Optimierungspotenziale zu identifizieren und visuell zusammenhängende Verbesserungsfelder aufzuzeigen.
4. Nennen Sie drei wesentliche Vorteile des Canvas-Modells.
Lösung: 1) Visualisierung des Geschäftsmodells, 2) Fokus auf Kundennutzen, 3) Prozessintegration und Identifikation von Optimierungspotenzialen. (Andere Vorteile möglich: Teamwork, Agilität, Ganzheitlicher Überblick)
5. Was ist der Hauptunterschied zwischen Business Model Canvas und Requirements Engineering?
Lösung: Das BMC dient der Visualisierung des gesamten Geschäftsmodells auf einer Seite und ist besonders für die frühe Konzeptionsphase geeignet. Requirements Engineering zielt auf die systematische und vollständige Erhebung, Dokumentation und Validierung von Anforderungen für die konkrete Produkt- oder Software-Entwicklung ab.
6. In welcher Reihenfolge wird das BMC typischerweise ausgefüllt?
Lösung: Typischerweise beginnt man mit den Kundensegmenten und dem Wertangebot, da dort meist die meisten Informationen vorliegen. Anschließend werden Kanäle, Kundenbeziehungen, Einnahmequellen, Ressourcen, Aktivitäten, Partner und Kostenstruktur ausgefüllt.
7. Wie können BMC und Requirements Engineering kombiniert werden?
Lösung: Oft ist es sinnvoll, zunächst mit dem BMC das Geschäftsmodell grob zu skizzieren und Hypothesen zu bilden. Anschließend werden die Anforderungen systematisch im Detail erarbeitet. Das BMC liefert damit Input für das RE, indem es Stakeholder und Werte identifiziert.
8. Was sind die typischen Einnahmequellen im IT-Bereich? Nennen Sie drei Beispiele.
Lösung: Typische Einnahmequellen im IT-Bereich sind: 1) Abonnement-Modell (SaaS), 2) Lizenzgebühren, 3) Pay-per-Use, 4) Wartung & Support, 5) Transaktionsgebühren, 6) Freemium.
9. Erklären Sie den Baustein "Wertangebote" am Beispiel eines Cloud-Computing-Anbieters.
Lösung: Wertangebote eines Cloud-Computing-Anbieters umfassen: Skalierbare Server-Ressourcen auf Abruf (keine eigene Hardware-Investitionen), Pay-as-you-go-Preisgestaltung (Kosten entsprechend Nutzung), hohe Verfügbarkeit und Redundanz, automatisierte Skalierung, verwaltete Services (Datenbanken, AI, etc.).
10. Warum sollten Farbige Klebezettel beim Ausfüllen des BMC verwendet werden?
Lösung: Farbige Klebezettel bieten Flexibilität für iterative Verbesserungen. Ideen können schnell erstellt, ausgetauscht und angeordnet werden, ohne dass das gesamte Canvas neu geschrieben werden muss. Dies erleichtert das gemeinsame Ausfüllen im Team.
Nächstes Kapitel
Im nächsten Kapitel Minimum Viable Product (MVP) lernen Sie, wie Sie mit einem MVP Kundenanforderungen frühzeitig validieren können.