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05. Verantwortlichkeiten

Lernziele

Nach diesem Kapitel können Sie: - Das AKV-Prinzip (Aufgaben, Kompetenzen, Verantwortung) anwenden - Die RACI-Matrix für Verantwortlichkeitszuordnung erstellen - Organisationsstrukturen für IT-Projekte gestalten - Typische Organisationsfehler identifizieren und vermeiden - Klare Verantwortungsstrukturen für Management-Entscheidungen definieren

Lesezeit

ca. 15-20 Minuten

1. Einführung: Warum Verantwortlichkeiten entscheidend sind

Unklare Zuständigkeiten sind ein Hauptgrund für das Scheitern von IT-Projekten. In der Praxis führen diffuse Verantwortlichkeiten zu Verzögerungen, Konflikten und letztlich zum Projekterfolg.

flowchart TD
    A[Unklare Verantwortlichkeiten] --> B[Verwirrung und Konflikte]
    A --> C[Verzögerungen und Wartezeiten]
    A --> D[Fehlentscheidungen]

    B --> E[Projektversagen]
    C --> E
    D --> E

    F[Klare Verantwortlichkeiten] --> G[Effiziente Entscheidungen]
    F --> H[Schnelle Problemlösung]
    F --> I[Verantwortungsbewusstes Handeln]

    G --> J[Projekterfolg]
    H --> J
    I --> J

    style E fill:#ffe1e1
    style J fill:#e1ffe1

1.1 Die Rolle des IT-Beraters bei Verantwortlichkeiten

Der IT-Berater ist oft derjenige, der: - Verantwortlichkeitsstrukturen analysiert und bewertet - RACI-Matrizen erstellt - Organisationslücken identifiziert - Empfehlungen für Rollen und Verantwortlichkeiten gibt

2. Das AKV-Prinzip

2.1 Grundkonzept

Das AKV-Prinzip fordert die Kongruenz (Deckungsgleichheit) von: - Aufgabe (Task) - Kompetenz (Authority) - Verantwortung (Responsibility)

graph TD
    A[AKV-Prinzip] --> B[Aufgabe: Was muss getan werden?]
    A --> C[Kompetenz: Welche Befugnisse hat die Person?]
    A --> D[Verantwortung: Wer muss für das Ergebnis gerade stehen?]

    B --> E{Kongruenz?}
    C --> E
    D --> E

    E -->|Ja| F[Effektive und effiziente Arbeit]
    E -->|Nein| G[Strukturelles Problem]

    G --> G1[K < V: Person verantwortlich, aber keine Befugnisse]
    G --> G2[V < A: Person hat Befugnisse, aber keine Verantwortung]
    G --> G3[A < K: Person hat Befugnisse, aber keine klare Aufgabe]

    G1 --> H[Handlungsunfähigkeit, Frustration]
    G2 --> I[Willkürliches Handeln, Kontrollverlust]
    G3 --> J[Missbrauch von Macht, Ineffizienz]

    style F fill:#e1ffe1
    style G fill:#ffe1e1

2.2 Die drei Konstellationen des AKV-Missverhältnisses

Konstellation Beschreibung Konsequenzen Beispiel
K < V Kompetenz kleiner als Verantwortung Person verantwortlich, aber keine Entscheidungsmacht Projektmanager für Budget, aber keine Genehmigungsbefugnis
V < A Verantwortung kleiner als Aufgabe Person hat Aufgaben, aber keine klare Verantwortung Entwickler implementiert Features, aber nicht verantwortlich für Qualität
A < K Aufgabe kleiner als Kompetenz Person hat mehr Befugnisse als Aufgaben Manager mit Entscheidungsbefugnis, aber keine klaren Aufgaben

2.3 Deep Dive: K < V (Kompetenz kleiner als Verantwortung)

Dies ist die häufigste Problemkonstellation in IT-Projekten.

Beispiel: Ein Projektleiter ist für das Einhalten des Budgets verantwortlich (V), hat aber keine Befugnis, Ressourcen zuzuweisen oder Budget freizugeben (K).

Konsequenzen: - Handlungsunfähigkeit: Der Projektleiter kann nicht reagieren, wenn Budget-Engpässe entstehen - Frustration: Der Projektleiter wird für Ergebnisse zur Rechenschaft gezogen, die er nicht steuern kann - Konflikte: Konflikte mit anderen Managern, die über Budget- und Ressourcenentscheidungen treffen

Lösungsansätze: 1. Kompetenzen erweitern: Dem Projektleiter Budget- und Personalentscheidungsbefugnisse geben 2. Verantwortung anpassen: Die Budgetverantwortung auf einen Finanzmanager übertragen 3. Klarstellung: Delegation und Eskalationswege dokumentieren

2.4 Deep Dive: V < A (Verantwortung kleiner als Aufgabe)

Beispiel: Ein Entwickler hat die Aufgabe, komplexe Features zu implementieren (A), ist aber nicht für die Qualität oder Fehlerbehebung verantwortlich (V).

Konsequenzen: - Qualitätsprobleme: Der Entwickler implementiert Features, aber keine Sorge um Qualitätstests - Fehlende Eigenverantwortung: Kein persönliches Commitment für Qualität - "Nicht mein Job"-Mentalität: Grenzenüberschreitung und Konflikte

Lösungsansätze: 1. Verantwortung erweitern: Qualitätsverantwortung in Entwickler-Rolle integrieren 2. Aufgaben anpassen: Klare Definition, dass Qualitätstests Aufgabe des Testers sind 3. Teamverantwortung: Teamverantwortung für Qualität statt individueller Verantwortung

2.5 Checkliste: AKV-Check für Rollen

Für jede Rolle in einem IT-Projekt sollten Sie prüfen:

Rolle Aufgaben (A) Kompetenzen (K) Verantwortung (V) Kongruenz?
Projektleiter Projekt steuern, Ressourcen managen Budget- und Personalentscheidungen Projekterfolg, Termineinhaltung K < V? → Problem
Entwickler Code implementieren, Tests schreiben Code-Schreibzugriff, Review-Rechte Code-Qualität, Feature-Funktionalität
Architekt Architektur entwerfen, Entscheidungen treffen Technologieentscheidungen, Standards definieren Architektur-Qualität, Skalierbarkeit
Tester Tests ausführen, Fehler melden Test-Umgebung, Test-Tools Testabdeckung, Bug-Reporting
Product Owner Anforderungen definieren, Priorisieren Sprint-Ziele definieren, Acceptance Criteria Produkt-Erfolg, Stakeholder-Zufriedenheit

3. Die RACI-Matrix

3.1 Grundkonzept

Die RACI-Matrix ist ein Standard zur prozessualen Zuordnung von Verantwortlichkeiten.

Rolle Bedeutung Erläuterung
R (Responsible) Ausführender / Durchführender Die Person, die die Arbeit tatsächlich ausführt ("Macher")
A (Accountable) Rechenschaftspflichtiger Die Person, die für das Ergebnis verantwortlich ist und der Rechenschaft schuldet ("Kopf")
C (Consulted) Beratend Experten, die beratend mitwirken, aber nicht Entscheidungsbefugt haben
I (Informed) Informiert Personen, die über Ergebnisse informiert werden müssen

Wichtige Regeln: - Jede Aufgabe muss genau ein A haben (nicht mehrere) - Eine Aufgabe kann mehrere R haben (mehrere Ausführende) - C und I können beliebig viele sein

3.2 RACI-Beispiel: Einführung eines CRM-Systems

Aufgaben und Rollen:

Aufgabe C-Level CFO CIO Projektleiter Entwickler Tester Produktmanager Sales-Director
Projekt genehmigen A C C R - - C C
Budget bereitstellen - A C C - - - -
Anforderungen definieren - - - C - - A C
Architektur entwerfen - - A C R - C I
Software implementieren - - - C R - - -
Tests ausführen - - - C - R C -
User-Acceptance - - - - - - A C
Go-Live Entscheidung A C C C - - R I

Legende: - A = Accountable (Rechenschaftspflichtig, genau 1 pro Aufgabe) - R = Responsible (Ausführend) - C = Consulted (Beratend) - I = Informed (Informiert)

3.3 Typische Fehler bei der RACI-Matrix

Fehler Beschreibung Konsequenz Vermeidung
Mehrere As für eine Aufgabe Zwei oder mehr Personen sind Accountable Verantwortungsdiffusion, "Niemand ist verantwortlich" Jede Aufgabe muss genau ein A haben
Kein A für eine Aufgabe Niemand ist rechenschaftspflichtig Fehlende klare Verantwortung Sicherstellen, dass jede Aufgabe ein A hat
Alle R, kein A Mehrere Ausführende, aber keine klare Verantwortung Konflikte, unklare Entscheidungswege A definieren
Zu viele C Zu viele Personen werden beratend einbezogen Verzögerungen, Over-Engineering Nur echte Experten als C
Keine I Keine Information der relevanten Stakeholder Überraschungen, Konflikte Alle betroffenen Personen als I

3.4 RACI vs. AKV

Aspekt AKV-Prinzip RACI-Matrix
Fokus Rollen-Ebene (dauerhaft) Aufgaben-Ebene (prozessspezifisch)
Anwendung Organisationsstruktur Projektmanagement, Prozesse
Ziel Kongruenz von Aufgaben, Kompetenzen, Verantwortung Klare Zuordnung von Verantwortlichkeiten
Komplementarität Definiert Rollen und Befugnisse Definiert Verantwortlichkeiten für Aufgaben

Beispiel:

AKV für die Rolle "Projektleiter": - Aufgabe: Projekt steuern, Ressourcen managen - Kompetenz: Budget- und Personalentscheidungen - Verantwortung: Projekterfolg

RACI für die Aufgabe "Projektplan erstellen": - A: Projektleiter - R: Projektleiter, Architekt, Entwickler - C: Stakeholder, Produktmanager - I: C-Level

4. Organisationsstrukturen für IT-Projekte

4.1 Funktionale Organisation

graph TD
    A[CEO] --> B[IT-Abteilung]
    A --> C[Marketing]
    A --> D[Vertrieb]

    B --> B1[Entwicklung]
    B --> B2[Operations]
    B --> B3[Security]

    B1 --> P[Projektteam<br/>aus verschiedenen Abteilungen]
    C --> P
    D --> P

Merkmale: - Stabile Struktur, klare Hierarchien - Fachliche Expertise stark ausgeprägt - Weniger Flexibilität bei Projektarbeit

Vor- und Nachteile:

Vorteile Nachteile
Klare Karrierepfade Silo-Denken
Hohe Fachexpertise Langsame Entscheidungen
Skalierbar Weniger flexibel

4.2 Projektorganisation

graph TD
    A[CEO] --> P1[Projektleiter 1<br/>CRM-Einführung]
    A --> P2[Projektleiter 2<br/>ERP-Migration]

    P1 --> T11[Team A<br/>Entwicklung]
    P1 --> T12[Team B<br/>Testing]
    P1 --> T13[Team C<br/>Operations]

    P2 --> T21[Team D<br/>Entwicklung]
    P2 --> T22[Team E<br/>Migration]

Merkmale: - Projektzentrierte Struktur - Projektleiter hat volle Autorität - Hohe Flexibilität

Vor- und Nachteile:

Vorteile Nachteile
Schnelle Entscheidungen Keine fachliche Heimat nach Projektende
Klare Verantwortlichkeiten Weniger fachlicher Austausch zwischen Projekten
Fokus auf Projektziele Risiko von "Not-invented-here"-Syndrom

4.3 Matrix-Organisation

graph LR
    subgraph Projekt
        P[Projektleiter]
    end

    subgraph Funktional
        L[Leitung Entwicklung]
    end

    P --> E[Entwickler]
    L --> E

    style P fill:#ffe1e1
    style L fill:#e1ffe1
    style E fill:#fff4e1

Merkmale: - Kombination aus funktionaler und projektbezogener Struktur - Zwei Vorgesetzte (Projektleiter und fachlicher Vorgesetzter) - Komplex, aber flexibel

Vor- und Nachteile:

Vorteile Nachteile
Beste beide Welten Komplex
Fachliche Expertise bleibt erhalten Konflikt zwischen Projekt- und Fachzielen
Flexibilität Machtgefüge unklar

4.4 Organisation für Management-Entscheidungen

Für strategische Entscheidungen sollte ein Projektsteuerausguss (Steering Committee) eingerichtet werden.

Typische Struktur:

Rolle Verantwortung Häufigkeit
C-Level (CEO, CFO, CIO) Strategische Entscheidungen, Budget-Freigabe Monatlich
Projektleiter Projektstatus, Risiken, Entscheidungsbedarf Monatlich
Fachbereichsleiter Fachliche Anforderungen, Prioritäten Monatlich
Produktmanager Anforderungen, Marktbedürfnisse Monatlich
Architekt Technologieentscheidungen, Architektur-Review Bei Bedarf

Entscheidungsprozess:

flowchart TD
    A[Entscheidungsbedarf] --> B[Vorbereitung durch Projektleiter]
    B --> C[Steering Committee Meeting]
    C --> D{Entscheidung?}
    D -->|Ja| E[Entscheidung dokumentieren]
    D -->|Nein| F[Analytie und Vertiefung]
    F --> C
    E --> G[Umsetzung durch Projektteam]

5. Praktische Beispiele

5.1 Beispiel 1: Software-Entwicklungsteam

Team-Struktur:

Rolle Aufgaben Kompetenzen Verantwortung
Tech Lead Technische Leitung, Code-Review Technologieentscheidungen, Merge-Berechtigung Architektur-Qualität, Team-Coaching
Senior Developer Features implementieren, Mentoring Code-Schreibzugriff, Review-Rechte Code-Qualität, Feature-Funktionalität
Developer Features implementieren Code-Schreibzugriff Code-Qualität (auf Teilebene)
QA Engineer Tests ausführen, Bugs melden Test-Umgebung, Bug-Tracking Testabdeckung, Bug-Dokumentation

RACI-Matrix für Sprint:

Aufgabe Tech Lead Senior Dev Developer QA
Sprint Planning A R R C
Backlog Refinement A C C C
Development C R R -
Code Review R R C -
Testing - - - A
Sprint Review A R R R
Retrospective A R R R

5.2 Beispiel 2: Cloud-Migrationsprojekt

Organisationsstruktur:

graph TD
    A[Steering Committee<br/>CEO, CFO, CIO] --> B[Program Manager]
    B --> C[Projektleiter Migration]
    B --> D[Projektleiter Sicherheit]
    B --> E[Projektleiter Testing]

    C --> C1[Cloud-Architekten]
    C --> C2[DevOps-Engineer]
    C --> C3[Data-Engineer]

    D --> D1[Security-Architekt]
    D --> D2[Compliance-Officer]

    E --> E1[QA-Engineer]
    E --> E2[Performance-Tester]

RACI-Matrix für Cloud-Migration:

Aufgabe Program Manager Projektleiter Migration Cloud-Architekt Security-Architekt QA
Migrationsstrategie definieren A C R C -
Cloud-Architektur entwerfen - C A C I
Security-Konzept erstellen - C C A -
Migration durchführen - A R C -
Tests ausführen - C I I A
Go-Live Entscheidung A R C C C

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
AKV-Prinzip Kongruenz von Aufgaben (A), Kompetenzen (K) und Verantwortung (V)
RACI-Matrix Verantwortlichkeitszuordnung mit Responsible (R), Accountable (A), Consulted (C), Informed (I)
Kongruenz Deckungsgleichheit von Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung
Verantwortungsdiffusion Unklare Verantwortung durch mehrere accountable Personen
Steering Committee Projektsteuerausguss für strategische Entscheidungen
Matrix-Organisation Organisationsform mit funktionaler und projektbezogener Struktur
Silo-Denken Isolierte Arbeitsweise ohne Zusammenarbeit zwischen Abteilungen
Machtgefüge Verteilung von Macht und Entscheidungsbefugnissen in einer Organisation

Verständnisfragen

Frage 1: AKV-Prinzip

Ein Projektleiter ist für das Einhalten des Projektbudgets verantwortlich, hat aber keine Entscheidungsbefugnis für Budget- oder Personalentscheidungen. Analysieren Sie diese Situation nach dem AKV-Prinzip und geben Sie Lösungsvorschläge.

Lösung: AKV-Analyse:

Element Beschreibung

| Aufgabe (A) | Projektbudget einhalten, Ressourcen steuern | | Kompetenz (K) | Keine Budget- oder Personalentscheidungsbefugnis | | Verantwortung (V) | Für das Einhalten des Projektbudgets verantwortlich |

**Ergebnis:** **K < V** (Kompetenz kleiner als Verantwortung)

**Konsequenzen:**
- **Handlungsunfähigkeit**: Der Projektleiter kann Budget-Engpässe nicht beheben, da er keine Entscheidungsbefugnis hat
- **Frustration**: Der Projektleiter wird für Ergebnisse zur Rechenschaft gezogen, die er nicht steuern kann
- **Konflikte**: Konflikte mit C-Level oder Department-Managern, die die Entscheidungen treffen
- **Risiko**: Budgetüberschreitungen oder Projekterfolg gefährdet

**Lösungsansätze:**

**Lösung 1: Kompetenzen erweitern (Empfohlen)**
- Dem Projektleiter Budget- und Personalentscheidungsbefugnis innerhalb definierter Grenzen geben
- Zum Beispiel: Entscheidungsfreiheit für bis zu 10% des Gesamtbudgets ohne weitere Genehmigung
- Budget-Freigabe-Prozess für größere Beträge dokumentieren

**Lösung 2: Verantwortung anpassen**
- Die Budgetverantwortung auf einen Finanzmanager oder C-Level übertragen
- Der Projektleiter ist dann nur für Zeitplanung und Ressourcenplanung verantwortlich, nicht für Budget-Freigabe

**Lösung 3: Klarstellung und Eskalation**
- Klare Dokumentation von Verantwortlichkeiten und Eskalationswegen
- Bei Budget-Engpässen: Eskalation an C-Level mit klarem Prozess
- Verantwortung für Budget-Planung (Schätzung) vs. Budget-Freigabe (Genehmigung) trennen

**Empfehlung:**
Lösung 1 ist die beste Option, da sie die Handlungsfähigkeit des Projektleiters sicherstellt und die Entscheidungswege verkürzt. Dies ist besonders wichtig in agilen Projekten, in denen schnelle Entscheidungen notwendig sind.
Frage 2: RACI-Matrix

In einem Projekt wird für die Aufgabe "Genehmigung des Architekturkonzepts" sowohl der CTO als auch der CIO als Accountable (A) in der RACI-Matrix eingetragen. Warum ist dies methodisch falsch und wie sollte es korrigiert werden?

Lösung: Methodischer Fehler:

Die RACI-Matrix erfordert, dass jede Aufgabe genau ein A (Accountable) hat. Das ist eine grundlegende Regel des RACI-Standards.

Probleme bei mehreren Accountables:

Problem Beschreibung

| Verantwortungsdiffusion | Niemand fühlt sich allein verantwortlich ("Der andere wird es schon machen") | | Konflikte | Unterschiedliche Meinungen führen zu Konflikten und Entscheidungsstau | | Unklare Zuständigkeit | Mitarbeiter wissen nicht, wem sie folgen müssen | | Verzögerungen | Entscheidungsprozesse verlangsamen sich | | Accountability-Problem | Im Fehlerfall kann niemand eindeutig zur Rechenschaft gezogen werden |

**Korrekturmöglichkeiten:**

**Option 1: Klärung der Hierarchie**
- **A (Accountable)**: CTO (als technologischer Vorgesetzter)
- **R (Responsible)**: CIO (für Umsetzung und Operations)
- **C (Consulted)**: C-Level-Team
- **I (Informed)**: Architekt, Entwickler

**Begründung:** Der CTO ist für technologische Entscheidungen verantwortlich, der CIO für die Umsetzung und den Betrieb.

**Option 2: Aufgabenaufteilung**
- Aufgabe 1: "Technologie-Entscheidung" → A: CTO
- Aufgabe 2: "Budget-Freigabe" → A: CIO
- Aufgabe 3: "Genehmigung des Gesamtkonzepts" → A: CEO

**Begründung:** Die Gesamtaufgabe wird in Unter-Aufgaben aufgeteilt, für die jeweils ein Accountable existiert.

**Option 3: Escalation-Decision-Making**
- **A (Accountable)**: CEO (als letztes Entscheidungsgremium)
- **R (Responsible)**: CTO, CIO (für Empfehlung)
- **C (Consulted)**: Architekt, Fachbereichsleiter
- **I (Informed)**: Projektteam

**Begründung:** Bei strategisch kritischen Entscheidungen wird der CEO zum Accountable.

**Empfehlung:**

Für die Architektur-Entscheidung empfiehlt sich **Option 1**, da:
- Der CTO die fachliche Kompetenz für Architektur-Entscheidungen hat
- Der CIO für Umsetzung und Operations verantwortlich ist
- Die Hierarchie klar und verständlich ist

**Korrigierte RACI-Matrix:**

| Aufgabe | CEO | CTO | CIO | Architekt |
|---------|-----|-----|-----|-----------|

| Architektur-Entscheidung | - | A | R | R | | Budget-Freigabe | - | C | A | - | | Implementierung | - | C | A | R | | Go-Live Entscheidung | A | R | R | - |

**Lektion:**
Die RACI-Matrix muss mit strikter Einhaltung der Regel "Genau ein Accountable pro Aufgabe" erstellt werden. Dies ist eine grundlegende Methode, um Verantwortungsdiffusion zu vermeiden.
Frage 3: Organisationsstruktur

Ein mittelständisches Unternehmen möchte ein großes Digitalisierungsprojekt (Einführung eines ERP-Systems, CRM-System und Customer Portal) durchführen. Welche Organisationsstruktur (funktional, projektbezogen, matrix) empfehlen Sie und warum?

Lösung: Empfehlung: Matrix-Organisation mit Projektsteuerausguss (Steering Committee)

Begründung:

1. Projekttypus: - Großes, komplexes Projekt mit mehreren Teilsystemen - Hohe strategische Bedeutung für das Unternehmen - Dauer: 12-24 Monate - Beteiligung mehrerer Fachbereiche (IT, Vertrieb, Einkauf, Finanzwesen)

2. Vor- und Nachteile der Organisationsformen:

Organisationsform Vor- & Nachteile Eignung für dieses Projekt

| Funktionale Organisation | + Fachliche Expertise
+ Klare Hierarchien
- Silo-Denken
- Weniger flexibel | Nicht geeignet: Silo-Denken würde die Integration der Systeme behindern | | Projektbezogene Organisation | + Schnelle Entscheidungen
+ Klare Verantwortlichkeiten
- Keine fachliche Heimat nach Projektende
- Weniger fachlicher Austausch | Nicht ideal: Das Projekt ist zu lang und komplex für eine reine Projektorganisation. Die Gefahr von "Not-invented-here"-Syndrom ist hoch. | | Matrix-Organisation | + Beste beide Welten
+ Fachliche Expertise bleibt erhalten
+ Flexibel
- Komplex
- Konflikte zwischen Projekt- und Fachzielen | Ideal: Kombiniert die Vorteile von funktionaler und projektbezogener Struktur. |

**3. Empfohlene Matrix-Organisation:**

```mermaid
graph TD
    A[Steering Committee<br/>CEO, CFO, CIO, Vertriebsleiter, Einkaufsleiter] --> B[Program Manager<br/>Gesamtverantwortung für Digitalisierung]

    B --> C1[Projektleiter ERP]
    B --> C2[Projektleiter CRM]
    B --> C3[Projektleiter Customer Portal]

    subgraph Funktional
        D1[IT-Entwicklung]
        D2[Operations]
        D3[Security]
        D4[QA]
    end

    C1 --> D1
    C2 --> D1
    C3 --> D1
    C1 --> D2
    C2 --> D2
    C3 --> D2
```

**4. RACI-Matrix für Entscheidungen:**

| Aufgabe | Program Manager | Projektleiter ERP | Projektleiter CRM | Projektleiter Portal | Steering Committee |
|---------|----------------|-------------------|-------------------|---------------------|--------------------|
| **Strategie definieren** | R | C | C | C | **A** |
| **Budget genehmigen** | C | C | C | C | **A** |
| **Technologie-Auswahl** | C | R | R | R | **A** |
| **Projektsteuerung** | A | R | R | R | C |
| **Go-Live ERP** | C | **A** | I | I | C |
| **Go-Live CRM** | C | I | **A** | I | C |
| **Go-Live Portal** | C | I | I | **A** | C |

**5. Vorteile dieser Struktur:**

| Vorteil | Begründung |
|---------|------------|

| Strategische Ausrichtung | Steering Committee sichert Abstimmung mit Unternehmensstrategie | | Klare Verantwortlichkeiten | Program Manager für Gesamtkoordination, Projektleiter für Teilsysteme | | Fachliche Expertise | Fachabteilungen (IT, Vertrieb, Einkauf) sind eingebunden | | Flexibilität | Projektleiter können schnell auf Änderungen reagieren | | Integration | Gemeinsame Ziele fördern Zusammenarbeit zwischen Teilsystemen |

**6. Mitigationsstrategien für Nachteile:**

| Nachteil | Mitigation |
|----------|------------|

| Komplexität | Klare RACI-Matrix, regelmäßige Koordinationstreffen | | Konflikte | Eskalationswege, klarer Decision-Making-Prozess | | Zwei Vorgesetzte | Klare Priorisierung (Projektziele > Fachziele) | | Kommunikations-Overhead | Regelmäßige Meetings, dokumentierte Prozesse |

**Zusammenfassend:**

Für dieses große Digitalisierungsprojekt ist eine Matrix-Organisation mit einem Projektsteuerausguss (Steering Committee) die beste Wahl. Diese Struktur kombiniert die Vorteile von funktionaler Expertise und projektbezogener Fokus, ermöglicht schnelle Entscheidungen und stellt sicher, dass das Projekt strategisch ausgerichtet ist. Die Komplexität wird durch klare Verantwortlichkeiten (RACI) und einen Program Manager gemildert.