7. Relationship Mapping und ABC-Analyse
Lernziele
Nach diesem Kapitel können Sie: - Relationship Mapping zur Visualisierung von Stakeholder-Strukturen durchführen - ABC-Analyse zur Klassifizierung von Kunden anwenden - Strategien für A-, B- und C-Kunden entwickeln - Formale und informelle Einflussstrukturen identifizieren - Beziehungsstrategien für unterschiedliche Stakeholder-Typen ableiten
Modul Übersicht
Modul 13 - Kapitel 7"
Lesezeit: ~16 Min
Quelle:** FS-ITB-13-B-Kundenbeziehungen-Analyse V2.pdf
1. Relationship Mapping
Das Relationship Mapping dient dazu, die Strukturen, Kommunikationswege und Einflussbeziehungen innerhalb einer Kundenorganisation systematisch zu erfassen und zu visualisieren.
Definition und Zweck
Relationship Mapping ist die strukturierte Erfassung und Visualisierung aller relevanten Akteure und ihrer Beziehungen in einer Kundenorganisation.
Zweck:
- Identifikation der entscheidenden Stakeholder
- Verständnis für interne Kommunikations- und Entscheidungsprozesse
- Früherkennung potenzieller Konfliktfelder oder Abhängigkeitsstrukturen
- Unterstützung bei der strategischen Kundenentwicklung
Warum Relationship Mapping für IT-Berater wichtig ist
Für IT-Berater ist es von besonderer Bedeutung, die relevanten Entscheidungsträger, Multiplikatoren und operativen Ansprechpartner zu identifizieren, um eine gezielte und effiziente Kundenbetreuung zu gewährleisten.
mindmap
root((Relationship Mapping))
Vorteile
Stakeholder identifizieren
Entscheidungswege verstehen
Kommunikation optimieren
Konflikte frühzeitig erkennen
Anwendungsbereiche
Projektvorbereitung
Projektsteuerung
Nachprojektphase
Kundenentwicklung
Ergebnisse
Visuelle Beziehungskarte
Rollenzuordnung
Einflussanalyse
Kommunikationsstrategie
Praxisbeispiel
In einem Cloud-Migrationsprojekt zeigt das Relationship Mapping, dass die Fachabteilung großen Einfluss auf technische Entscheidungen hat, obwohl die formale Freigabe durch die IT-Leitung erfolgt. Ein IT-Berater, der nur mit der IT-Leitung kommuniziert, könnte wichtige Anforderungen der Fachabteilung verpassen. Durch das Relationship Mapping erkennt er diesen informellen Einflussfluss und bindet beide Gruppen frühzeitig ein, was die Akzeptanz für die Lösung erhöht.
2. Schritte des Relationship Mappings
Ein Relationship Mapping erfolgt in mehreren Schritten.
flowchart LR
A[Schritt 1<br/>Identifikation der Akteure] --> B[Schritt 2<br/>Kategorisierung der Rollen]
B --> C[Schritt 3<br/>Visualisierung der Beziehungen]
C --> D[Schritt 4<br/>Analyse & Interpretation]
style A fill:#e1f5e1
style B fill:#fff4e1
style C fill:#e1f0ff
style D fill:#ffe1e1
Schritt 1: Identifikation der Akteure
Zweck: Erfassung aller Personen, die im Projektkontext beteiligt oder vom Ergebnis betroffen sind.
Methoden:
- Dokumentenanalyse: Organigramme, Projektcharts, Meeting-Protokolle
- Interviews: Befragung von Ansprechpartnern
- Beobachtung: Beobachtung der Zusammenarbeit im Projektalltag
- Stakeholder-Workshops: Gemeinsame Identifikation
Typische Akteure in IT-Projekten:
| Akteure-Typ | Rolle | Beispiele |
|---|---|---|
| Entscheider | Tragen die finale Entscheidung | CTO, CIO, Geschäftsführer, Projektsponsor |
| Gatekeeper | Kontrollieren den Zugang zu Entscheidern | Assistenz, Abteilungsleiter, IT-Manager |
| Beeinflusser | Haben Einfluss auf Entscheidungen ohne Entscheidungsbefugnis | Key-User, Fachexperten, Meinungsführer |
| Nutzer | Verwenden die Lösung im Tagesgeschäft | Anwender, Operative Mitarbeiter |
| Opponenten | Kritische Haltung oder Widerstand gegen das Projekt | Skeptiker, Betroffene, Konservative |
| Promotoren | Unterstützen das Projekt aktiv | Change Agents, Innovatoren, Enthusiasten |
Praxistipp: Start mit einem "Stakeholder-Brainstorming"
Beginnen Sie mit einem Brainstorming, um alle potenziellen Stakeholder zu identifizieren. Stellen Sie Fragen wie: "Wer profitiert?", "Wer ist betroffen?", "Wer muss zustimmen?", "Wer kann das Projekt blockieren?", "Wer hat Informationen?". Sortieren und filtern Sie die Liste anschließend nach Relevanz.
Schritt 2: Kategorisierung der Rollen
Zweck: Zuordnung der Akteure nach Einfluss, Funktion und Kommunikationsintensität.
Kategorisierungs-Dimensionen:
2.1 Einfluss
Macht-Interesse-Matrix (Mendelow-Matrix):
graph TB
subgraph "High Power"
A[High Interest<br/>Key Players<br/>Entscheider, Promotoren]
B[Low Interest<br/>Keep Satisfied<br/>Gatekeeper]
end
subgraph "Low Power"
C[High Interest<br/>Keep Informed<br/>Nutzer, Beeinflusser]
D[Low Interest<br/>Monitor<br/>Allgemeine Stakeholder]
end
style A fill:#ff6b6b
style B fill:#ffd93d
style C fill:#95e1d3
style D fill:#4ecdc4
| Quadrant | Typ | Strategie |
|---|---|---|
| High Power / High Interest | Key Players | Eng einbinden, regelmäßige Updates, direkte Kommunikation |
| High Power / Low Interest | Keep Satisfied | Zufriedenstellen, keine unnötige Kommunikation |
| Low Power / High Interest | Keep Informed | Regelmäßig informieren, Feedback einholen |
| Low Power / Low Interest | Monitor | Überwachen, minimale Kommunikation |
2.2 Einstellung (Support/Opposition)
| Einstellung | Beschreibung | Strategie |
|---|---|---|
| Promotoren | Unterstützen das Projekt aktiv | Frühe Einbindung, Nutzung als Multiplikatoren |
| Neutral | Weder für noch gegen | Informationen bereitstellen, Überzeugen |
| Opponenten | Kritisch oder gegen das Projekt | Ursachen verstehen, Ängste adressieren, Kompromisse finden |
2.3 Formalität
| Formalität | Beschreibung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Formal | Definition im Organigramm | Offizielle Verantwortlichkeiten |
| Informell | Tatsächlicher Einfluss ohne formale Position | Oft entscheidend für Projekterfolg |
Schritt 3: Visualisierung der Beziehungen
Zweck: Erstellung eines Beziehungsdiagramms, das zeigt, wie Personen miteinander interagieren.
Darstellungsformen:
3.1 Netzwerkdiagramm
Ein Netzwerkdiagramm zeigt die Beziehungen zwischen Akteuren als Knoten und Kanten.
graph LR
A[CTO<br/>Entscheider] --> B[IT-Manager<br/>Gatekeeper]
B --> C[Key-User<br/>Beeinflusser]
C --> D[Anwender<br/>Nutzer]
A -.->|Informell| E[Fachabteilungsleiter<br/>Beeinflusser]
E --> C
F[Assistenz<br/>Gatekeeper] -.->|Zugriffskontrolle| A
Bedeutung der Linien:
- Vollständige Linie: Formale, regelmäßige Kommunikation
- Gestrichelte Linie: Informelle oder unregelmäßige Kommunikation
- Dicke Linie: Starke Beziehung
- Dünne Linie: Schwache Beziehung
3.2 Organigramm mit Beziehungslinien
Ein Organigramm wird durch Beziehungslinien ergänzt, die informelle Einflussbeziehungen zeigen.
Beispiel:
- Formale Hierarchie: IT-Leitung → IT-Manager → IT-Mitarbeiter
- Informelle Beziehung: Fachabteilungsleiter → Key-User (starker Einfluss auf Akzeptanz)
3.3 Matrix-Darstellung
Eine Matrix zeigt die Beziehungen zwischen Akteuren in tabellarischer Form.
| A: CTO | B: IT-Manager | C: Key-User | D: Anwender | |
|---|---|---|---|---|
| A: CTO | - | Stark | Mittel | Gering |
| B: IT-Manager | Stark | - | Stark | Mittel |
| C: Key-User | Mittel | Stark | - | Stark |
| D: Anwender | Gering | Mittel | Stark | - |
Schritt 4: Analyse und Interpretation
Zweck: Bewertung der Beziehungen nach Stärke, Häufigkeit und Qualität der Kommunikation.
Analyse-Kriterien:
| Kriterium | Frage | Bewertung |
|---|---|---|
| Beziehungsstärke | Wie stark ist die Beziehung? | Stark / Mittel / Schwach |
| Kommunikationshäufigkeit | Wie oft wird kommuniziert? | Täglich / Wöchentlich / Monatlich / Seltener |
| Kommunikationsqualität | Wie gut ist die Kommunikation? | Sehr gut / Gut / Mittel / Schlecht |
| Vertrauen | Wie hoch ist das Vertrauen? | Hoch / Mittel / Niedrig |
| Konfliktpotenzial | Gibt es Konfliktpotenzial? | Hoch / Mittel / Gering |
| Einfluss | Wie stark ist der Einfluss? | Hoch / Mittel / Gering |
Ableitung von Handlungsempfehlungen:
| Analyse-Ergebnis | Handlungsempfehlung |
|---|---|
| Schwache Beziehung zu Key Players | Beziehung stärken, mehr investieren |
| Konfliktpotenzial zwischen Abteilungen | Konfliktmanagement, Vermittlung |
| Informeller Einfluss nicht erkannt | Beobachtung, Integration in Prozesse |
| Kommunikationsbarrieren identifiziert | Prozesse anpassen, Brückenbauer |
Praxistipp: Aktualisierung des Relationship Mappings
Relationship Mappings sind keine statischen Dokumente. Aktualisieren Sie das Mapping regelmäßig (z. B. alle 3 Monate oder bei wichtigen Änderungen), um Veränderungen in der Organisationsstruktur oder in den Beziehungen zu erfassen.
3. ABC-Analyse im Kontext der Kundenbeziehungsanalyse
Die ABC-Analyse dient innerhalb der Kundenbeziehungsanalyse dazu, Kunden nach ihrem Beziehungs- und Wertbeitrag für das Unternehmen zu klassifizieren und entsprechend zu priorisieren.
Definition und Zweck
ABC-Analyse ist ein betriebswirtschaftliches Verfahren zur Klassifizierung von Kunden (oder Produkten) nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung.
Zweck:
- Fokussierung auf A-Kunden mit hohem Wertbeitrag
- Anpassung der Kommunikations- und Betreuungsintensität an die jeweilige Kundengruppe
- Effiziente Ressourcennutzung durch differenzierte Service- und Pflegekonzepte
- Frühzeitige Identifikation von Entwicklungspotenzialen
Das Pareto-Prinzip (80/20-Regel)
Die ABC-Analyse basiert auf dem Pareto-Prinzip:
- 20% der Kunden generieren oft 80% des Umsatzes
- 80% der Probleme entstehen oft durch 20% der Kunden
pie
title Pareto-Prinzip: 80/20-Regel
"20% Kunden (80% Umsatz)" : 80
"80% Kunden (20% Umsatz)" : 20
Klassifizierung in A-, B- und C-Kunden
A-Kunden: Key Accounts
Merkmale:
- Hoher Umsatzanteil (z. B. > 60% des Umsatzes)
- Strategische Bedeutung für das Unternehmen
- Langfristige Partnerschaft
- Hohe Komplexität der Services
- Hohe Margen
Betreuungsstrategie:
- Höchste Betreuungsintensität: Dedizierte Account Manager
- Proaktive Kommunikation: Regelmäßige Strategiemeetings
- Premium-Services: Erweiterte SLAs, 24/7-Support, dedizierte Ressourcen
- Strategische Ausrichtung: Joint Innovation, Partnerschaft auf Augenhöhe
Ressourcenzuteilung:
- 60-70% der Ressourcen
- Spezialisierte Teams
- Individuelle Services
Beispiel: A-Kunde
Ein Unternehmen hat einen A-Kunden, der 25% des Gesamtumsatzes generiert. Der Kunde wird von einem dedizierten Account Manager betreut, hat einen eigenen Support-Channel mit 24/7-Verfügbarkeit, und erhält jährlich gemeinsame Innovationsworkshops. Der Kunde ist eng in die Produktentwicklung einbezogen und wird frühzeitig über neue Features informiert.
B-Kunden: Standard-Kunden
Merkmale:
- Mittlerer Umsatzanteil (z. B. 20-30% des Umsatzes)
- Regelmäßige, aber nicht kritische Bedeutung
- Standardisierte Services ausreichend
- Gute Margen
Betreuungsstrategie:
- Mittlere Betreuungsintensität: Account Manager für mehrere B-Kunden
- Regelmäßige Kommunikation: Quartalsweise Reviews, monatliche Updates
- Standard-Services: Standard-SLAs, Support während Geschäftszeiten
- Kundenentwicklung: Potenzialanalyse, Entwicklung zu A-Kunden
Ressourcenzuteilung:
- 20-30% der Ressourcen
- Teams für mehrere Kunden
- Standardisierte Prozesse
Beispiel: B-Kunde
Ein B-Kunde generiert 5% des Gesamtumsatzes. Der Kunde wird von einem Account Manager betreut, der gleichzeitig 5 weitere B-Kunden betreut. Es gibt monatliche Updates und quartalsweise Reviews. Der Kunde erhält Standard-SLAs (99,5% Verfügbarkeit, 8-5 Support) und hat Zugang zum Standard-Support-Portal.
C-Kunden: Volumen-Kunden
Merkmale:
- Geringer Umsatzanteil (z. B. 10-20% des Umsatzes)
- Große Anzahl von Kunden
- Standardisierte Services ausreichend
- Geringere Margen
Betreuungsstrategie:
- Niedrige Betreuungsintensität: Selbstservice, Communities
- Standardisierte Kommunikation: E-Mail-Newsletter, Online-Portale
- Standard-Services: Basis-SLAs, Support mit längeren Reaktionszeiten
- Kosteneffizienz: Automatisierung, Skalierbarkeit
Ressourcenzuteilung:
- 10-20% der Ressourcen
- Teams für große Anzahl von Kunden
- Hoch automatisierte Prozesse
Beispiel: C-Kunde
Ein C-Kunde generiert 0,1% des Gesamtumsatzes. Der Kunde hat keinen dedizierten Account Manager, nutzt ein Online-Portal für Supportanfragen, und erhält Basis-SLAs (95% Verfügbarkeit, 24-Stunden-Reaktionszeit). Die Kommunikation erfolgt über E-Mail-Newsletter und Online-Foren. Der Kunde kann in Community-Fragen von anderen C-Kunden lernen.
Zusammenfassung der Betreuungsstrategien
| Kriterium | A-Kunden | B-Kunden | C-Kunden |
|---|---|---|---|
| Umsatzanteil | > 60% | 20-30% | 10-20% |
| Betreuungsintensität | Höchste | Mittel | Niedrig |
| Account Manager | Dediziert | Für mehrere Kunden | Keiner / Selbstservice |
| Kommunikation | Proaktiv, Strategiemeetings | Regelmäßig, Reviews | Standardisiert, Newsletter |
| SLAs | Premium, 24/7 | Standard, 8-5 | Basis, längere Reaktionszeiten |
| Ressourcenzuteilung | 60-70% | 20-30% | 10-20% |
| Innovation | Joint Innovation | Kundenentwicklung | Standard-Features |
| Preise | Höchste Margen | Gute Margen | Niedrigere Margen |
4. Strategische Anwendung von Relationship Mapping und ABC-Analyse
Integration der beiden Methoden
Relationship Mapping und ABC-Analyse können kombiniert werden, um eine umfassende Strategie zur Kundenbetreuung zu entwickeln.
Kombinationsansatz:
graph TB
A[ABC-Klassifizierung] --> B{Kundentyp}
B -->|A-Kunde| C[Relationship Mapping<br/>Key Players identifizieren]
B -->|B-Kunde| D[Relationship Mapping<br/>Beeinflusser identifizieren]
B -->|C-Kunde| E[Relationship Mapping<br/>kein Mapping oder minimal]
C --> F[Strategische Betreuung<br/>Dedizierte Ressourcen]
D --> G[Standardisierte Betreuung<br/>Effiziente Prozesse]
E --> H[Kosteneffiziente Betreuung<br/>Automatisierung]
style C fill:#ff6b6b
style D fill:#ffd93d
style E fill:#95e1d3
style F fill:#ff6b6b
style G fill:#ffd93d
style H fill:#95e1d3
Strategien für unterschiedliche Kundensegmente
Strategie für A-Kunden
Fokus: Maximierung des Kundenlebenszykluswerts (Customer Lifetime Value)
Maßnahmen:
-
Dedizierte Account Management-Struktur:
- Ein Account Manager pro Kunde (oder maximal 2-3 Kunden)
- Regelmäßige persönliche Treffen (mindestens monatlich)
- Proaktive Kommunikation bei Trends oder Innovationen
-
Strategische Partnerschaft:
- Joint Innovation-Workshops
- Einbindung in Produktentwicklung
- Ko-Marketing-Aktivitäten
- Exklusive Zugang zu Beta-Features
-
Premium-Services:
- Erweiterte SLAs (z. B. 99,99% Verfügbarkeit)
- 24/7-Support mit dedizierten Experten
- Dedicated-Infrastruktur
- Performance-Garantien
-
Wertsteigerung:
- Cross-Selling und Upselling
- Strategische Beratung
- Digitalisierungsprojekte
- Komplexe Implementierungen
Strategie für B-Kunden
Fokus: Effiziente Betreuung und Entwicklung zu A-Kunden
Maßnahmen:
-
Standardisierte Account Management-Struktur:
- Ein Account Manager für mehrere B-Kunden (z. B. 5-10)
- Regelmäßige Updates (z. B. monatlich)
- Quartalsweise Reviews
-
Effiziente Prozesse:
- Standardisierte Onboarding-Prozesse
- Reusable Assets und Templates
- Automatisierte Reporting
-
Standard-Services:
- Standard-SLAs (z. B. 99,5% Verfügbarkeit)
- Support während Geschäftszeiten (8-5)
- Standard-Implementierungspakete
-
Kundenentwicklung:
- Potenzialanalyse für Cross-/Upselling
- Entwicklung von B-Kunden zu A-Kunden
- Identifikation von Wachstumschancen
Strategie für C-Kunden
Fokus: Kosteneffizienz und Skalierbarkeit
Maßnahmen:
-
Selbstservice-Struktur:
- Online-Portale für Support und Information
- Knowledge Bases und FAQ
- Video-Tutorials und Webinare
-
Automatisierte Kommunikation:
- E-Mail-Newsletter
- Automatisierte Onboarding-Prozesse
- Chatbots für häufige Fragen
-
Community-Building:
- Community-Foren und User Groups
- Webinare und Events
- Peer-to-Peer-Support
-
Kosteneffiziente Services:
- Basis-SLAs (z. B. 95% Verfügbarkeit)
- Längere Reaktionszeiten (z. B. 24 Stunden)
- Standard-Implementierungen ohne Anpassungen
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Relationship Mapping | Visualisierung von formalen und informellen Beziehungsstrukturen und Einflusswegen beim Kunden |
| ABC-Analyse | Betriebswirtschaftliches Verfahren zur Klassifizierung von Kunden nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung |
| Stakeholder | Personen oder Gruppen, die von einem Projekt betroffen sind oder Einfluss darauf haben |
| Entscheider | Personen, die die finale Entscheidung treffen |
| Gatekeeper | Personen, die den Zugang zu Entscheidern kontrollieren |
| Beeinflusser | Personen mit Einfluss auf Entscheidungen ohne Entscheidungsbefugnis |
| Nutzer | Personen, die eine Lösung im Tagesgeschäft verwenden |
| Promotor | Person, die ein Projekt aktiv unterstützt |
| Opponent | Person mit kritischer Haltung oder Widerstand gegen ein Projekt |
| Macht-Interesse-Matrix | Instrument zur Klassifizierung von Stakeholdern nach Macht und Interesse |
| Pareto-Prinzip | 80/20-Regel: 20% der Faktoren verursachen 80% der Ergebnisse |
| Key Account | Strategisch wichtiger Kunde mit hohem Wertbeitrag |
| Customer Lifetime Value | Gesamtwert eines Kunden über die gesamte Kundenbeziehung |
Verständnisfragen
Frage 1: Relationship Mapping vs. Organigramm
Warum reicht ein klassisches Organigramm für einen IT-Berater oft nicht aus, um die Kundenstruktur zu verstehen? Welche Informationen liefert ein Relationship Mapping zusätzlich?
Lösung: Ein Organigramm zeigt nur die formalen Hierarchien und offiziellen Berichtslinien. Das Relationship Mapping hingegen visualisiert auch informelle Einflussstrukturen, Vertrauensverhältnisse und tatsächliche Kommunikationswege.
Zusätzliche Informationen aus Relationship Mapping: * Informelle Einflussbeziehungen (z. B. ein Key-User hat großen Einfluss, obwohl er keine Führungsposition hat) * Kommunikationsqualität und -häufigkeit * Vertrauensverhältnisse zwischen Akteuren * Konfliktfelder oder Synergien * Tatsächliche Entscheidungswege (die vom Organigramm abweichen können)
Wichtigkeit in IT-Projekten: In IT-Projekten haben oft Personen ohne formale Macht (z. B. Key-User in Fachabteilungen oder Gatekeeper) einen entscheidenden Einfluss auf die Akzeptanz und den Erfolg einer Lösung. Ein Relationship Mapping identifiziert diese informellen Einflussfaktoren, während das Organigramm sie nicht zeigt.
Frage 2: ABC-Analyse anwenden
Ein Unternehmen hat folgende Kunden: * Kunde A: 1.000.000 € Umsatz/Jahr * Kunde B: 500.000 € Umsatz/Jahr * Kunden C-K: je 50.000 € Umsatz/Jahr (10 Kunden) * Kunden D-K: je 10.000 € Umsatz/Jahr (20 Kunden)
Klassifizieren Sie die Kunden nach der ABC-Methode und geben Sie eine Betreuungsstrategie für jede Gruppe an.
Lösung:
Umsatz-Analyse: * Kunde A: 1.000.000 € = 53,1% des Gesamtumsatzes * Kunde B: 500.000 € = 26,5% des Gesamtumsatzes * Kunden C-K (10 × 50.000 €): 500.000 € = 26,5% des Gesamtumsatzes * Kunden D-K (20 × 10.000 €): 200.000 € = 10,6% des Gesamtumsatzes * Gesamtumsatz: 2.200.000 €
ABC-Klassifizierung:
| Kundentyp | Umsatzanteil | Anzahl Kunden | Klassifizierung |
|---|---|---|---|
| Kunde A | 53,1% | 1 | A-Kunde (Key Account) |
| Kunde B | 26,5% | 1 | A-Kunde (Key Account) |
| Kunden C-K | 26,5% | 10 | B-Kunden (Standard) |
| Kunden D-K | 10,6% | 20 | C-Kunden (Volumen) |
Betreuungsstrategien:
A-Kunden (Kunde A & B): * Dedizierte Account Manager (jeder Kunde ein eigener AM) * Proaktive Kommunikation (monatliche Strategiemeetings) * Premium-Services (99,9% Verfügbarkeit, 24/7-Support) * Joint Innovation-Workshops * Ressourcenzuteilung: ~65% der Ressourcen
B-Kunden (Kunden C-K): * Account Manager für alle 10 Kunden * Regelmäßige Updates (monatlich) und quartalsweise Reviews * Standard-Services (99,5% Verfügbarkeit, 8-5 Support) * Kundenentwicklung: Potenzialanalyse für Cross-/Upselling * Ressourcenzuteilung: ~25% der Ressourcen
C-Kunden (Kunden D-K): * Selbstservice (Online-Portale, Knowledge Base) * Automatisierte Kommunikation (E-Mail-Newsletter) * Basis-Services (95% Verfügbarkeit, 24-Stunden-Reaktionszeit) * Community-Building (Foren, User Groups) * Ressourcenzuteilung: ~10% der Ressourcen
Frage 3: Macht-Interesse-Matrix anwenden
Ein IT-Berater identifiziert folgende Stakeholder für ein Projekt: * Stakeholder 1: CTO (Hohe Macht, Hohes Interesse) * Stakeholder 2: IT-Manager (Mittlere Macht, Hohes Interesse) * Stakeholder 3: Key-User (Geringe Macht, Hohes Interesse) * Stakeholder 4: Fachabteilungsleiter (Hohe Macht, Geringes Interesse) * Stakeholder 5: Assistenz des CTO (Mittlere Macht, Geringes Interesse)
Ordnen Sie die Stakeholder in die Macht-Interesse-Matrix ein und geben Sie die entsprechende Strategie für jeden Quadranten an.
Lösung:
Macht-Interesse-Matrix:
| Quadrant | Stakeholder | Strategie |
|---|---|---|
| High Power / High Interest (Key Players) |
Stakeholder 1: CTO | Eng einbinden, regelmäßige Updates, direkte Kommunikation |
| High Power / Low Interest (Keep Satisfied) |
Stakeholder 4: Fachabteilungsleiter | Zufriedenstellen, keine unnötige Kommunikation, bei Bedarf informieren |
| Low Power / High Interest (Keep Informed) |
Stakeholder 2: IT-Manager Stakeholder 3: Key-User |
Regelmäßig informieren, Feedback einholen, in Entscheidungsprozess einbeziehen |
| Low Power / Low Interest (Monitor) |
Stakeholder 5: Assistenz des CTO | Überwachen, minimale Kommunikation, nur bei Bedarf kontaktieren |
Detaillierte Strategie pro Stakeholder:
Stakeholder 1: CTO (Key Player) * Eng in das Projekt einbinden * Regelmäßige direkte Updates (z. B. wöchentlich) * Strategisches Alignment sicherstellen * Bei Entscheidungen direkt einbeziehen
Stakeholder 4: Fachabteilungsleiter (Keep Satisfied) * Zufriedenstellen (Erwartungen erfüllen) * Keine unnötige Kommunikation (nicht "über-informieren") * Bei wichtigen Meilensteinen informieren * Konflikte vermeiden
Stakeholder 2 & 3: IT-Manager & Key-User (Keep Informed) * Regelmäßig informieren (z. B. monatlich) * Feedback aktiv einholen (besonders vom Key-User) * In den Entscheidungsprozess einbeziehen (Ideen und Anforderungen sammeln) * Als Multiplikatoren nutzen (insbesondere Key-User)
Stakeholder 5: Assistenz des CTO (Monitor) * Überwachen (Beobachtung der Beziehung zum CTO) * Minimale Kommunikation (nur bei Bedarf) * Bei wichtigen Terminen beim CTO die Assistenz informieren * Keine aktive Einbindung in das Projekt
Frage 4: Kombination Relationship Mapping und ABC-Analyse
Ein Unternehmen hat einen A-Kunden mit 25% Umsatzanteil. Das Relationship Mapping zeigt, dass die formale Freigabe durch den CTO erfolgt, aber die Fachabteilung großen informellen Einfluss auf die technische Ausrichtung hat. Der Key-User der Fachabteilung hat geringe formale Macht, aber hohes Interesse und wird von den Anwendern hoch geschätzt. Wie sollten Sie diese Erkenntnisse für die Betreuungsstrategie nutzen?
Lösung: Analyse:
A-Kunde (25% Umsatzanteil): * Erhöhter Betreuungsaufwand notwendig (Dedizierter Account Manager, Premium-Services) * Strategische Partnerschaft anstreben
Relationship Mapping-Erkenntnisse: * Formale Entscheidungsstruktur: CTO hat die formale Entscheidungsbefugnis (High Power) * Informelle Einflussstruktur: Fachabteilung hat großen informellen Einfluss (Key-User als Beeinflusser) * Risiko: Wenn nur mit dem CTO kommuniziert wird, könnten Anforderungen der Fachabteilung verpasst werden → Risiko für Projektakzeptanz
Stakeholder-Klassifizierung:
| Stakeholder | Macht | Interesse | Klassifikation | Strategie |
|---|---|---|---|---|
| CTO | Hoch | Mittel | Key Players (High Power / High Interest? bzw. Keep Satisfied) | Eng einbinden, strategische Ausrichtung |
| Fachabteilungsleiter | Hoch | Hoch | Key Players | Eng einbinden, Anforderungen aufnehmen |
| Key-User | Gering | Hoch | Keep Informed | Regelmäßig informieren, Feedback einholen, als Multiplikator nutzen |
| Anwender | Gering | Mittel | Keep Informed / Monitor | Regelmäßig informieren, User-Community aufbauen |
Betreuungsstrategie:
1. Multi-Stakeholder-Ansatz: * Strategische Ebene: Eng mit CTO und Fachabteilungsleiter zusammenarbeiten (Key Players) * Operative Ebene: Aktive Einbindung des Key-Users (Keep Informed, Multiplikator) * Anwender-Ebene: Regelmäßige Updates und Feedback-Runden
2. Kommunikationsstrategie: * CTO: Strategische Updates, Executive Summarys, Quartals-Reviews * Fachabteilungsleiter: Detaillierte Anforderungen, Fach-Spezifikationen, monatliche Workshops * Key-User: Regelmäßige Updates (wöchentlich), Beta-Testing, User-Community-Moderation * Anwender: Newsletter, Roadmap-Vorschau, Feedback-Kanäle
3. Beziehungsmanagement: * CTO: Vertrauen durch Transparenz und Erfolg aufbauen * Fachabteilungsleiter: Partnerschaftliche Zusammenarbeit, gemeinsame Innovation * Key-User: Empowerment, Würdigung, Early Access zu Features * Anwender: Engagement, Community-Building, User-Generated Content
4. Risikominimierung: * Konfliktmanagement bei unterschiedlichen Anforderungen zwischen CTO und Fachabteilung * Balancierung von strategischen (CTO) und operativen (Fachabteilung) Anforderungen * Frührerkennung von Widerstand oder Akzeptanzproblemen
Ergebnis: Durch die Kombination von ABC-Analyse und Relationship Mapping wird eine differenzierte Betreuungsstrategie entwickelt, die sowohl die strategische Bedeutung (A-Kunde) als auch die komplexen Stakeholder-Beziehungen (CTO, Fachabteilung, Key-User) berücksichtigt. Dies maximiert die Projekterfolgswahrscheinlichkeit und die Kundenzufriedenheit.