6. Demand Management und Requirements Management
Lernziele
Nach diesem Kapitel können Sie: - Demand Management zur Erfassung und Bewertung geschäftlicher Bedarfe durchführen - Requirements Management zur Überführung von Bedarfen in Anforderungen anwenden - Qualitätsvereinbarungen zur Sicherung der Servicequalität gestalten - Die Verbindung zwischen Demand Management und Requirements Management herstellen - Kundenanforderungen strukturiert erfassen und bewerten
Modul Übersicht
Modul 13 - Kapitel 6"
Lesezeit: ~15 Min
Quelle:** FS-ITB-13-B-Kundenbeziehungen-Analyse V2.pdf
1. Grundlagen: Anforderungen verstehen
Ein zentraler Bestandteil einer erfolgreichen IT-Beratung ist das umfassende Verständnis der Kundenanforderungen. Ziel ist es, gemeinsam mit dem Kunden effiziente und störungsfreie IT-Systeme zu entwickeln, die den täglichen Geschäftsbetrieb optimal unterstützen.
Die Bedeutung im IT-Beratungsprozess
Im Rahmen der Beratung werden gemeinsam Qualitätsvereinbarungen zur Bereitstellung und Weiterentwicklung der IT-Systemleistungen getroffen. Diese dienen dazu, klare Erwartungen zu definieren, Verantwortlichkeiten festzulegen und die Qualität der IT-Services langfristig zu sichern.
Ein strukturierter Dialog über:
- bestehende Systeme
- zukünftige Anforderungen
- betriebliche Rahmenbedingungen
bildet dabei die Grundlage für eine durchgehende Kundenorientierung und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Praxisbeispiel
Ein Unternehmen plant die Digitalisierung seiner Personalabteilung. Der IT-Berater muss nicht nur die technischen Anforderungen verstehen (z. B. Integration ins bestehende ERP-System, Sicherheit, Compliance), sondern auch die geschäftlichen Anforderungen (z. B. Prozesseffizienz, User Experience, Kostensenkung). Nur durch ein umfassendes Verständnis aller Anforderungen kann eine Lösung entwickelt werden, die sowohl technisch als auch geschäftlich erfolgreich ist.
2. Demand Management
Das Demand Management erfasst und bewertet die geschäftlichen Bedarfe des Kunden, priorisiert sie nach Nutzen und Wirtschaftlichkeit und sorgt dafür, dass IT-Leistungen zielgerichtet geplant werden.
Definition und Zweck
Demand Management ist ein strukturierter Prozess zur Erfassung, Bewertung und Priorisierung von geschäftlichen IT-Bedarfen.
Zwecke:
- Bedarfe systematisch erfassen
- Bedarfe nach Nutzen und Wirtschaftlichkeit bewerten
- Bedarfe priorisieren
- IT-Leistungen zielgerichtet planen
Der Demand Management-Prozess
flowchart LR
A[Bedarfserfassung] --> B[Bedarfsanalyse]
B --> C[Bewertung & Priorisierung]
C --> D[Service-Katalog-Abgleich]
D --> E[Kapazitäts- & Budgetplanung]
E --> F[Freigabe & Planung]
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2.1 Bedarfserfassung
Zweck: Systematische Erfassung aller geschäftlichen IT-Bedarfe.
Quellen für Bedarfe:
| Quelle | Beispiele |
|---|---|
| Strategische Planung | Digitalisierungsstrategie, Unternehmensziele |
| Geschäftsbereiche | Anforderungen aus Fachabteilungen (z. B. HR, Marketing, Produktion) |
| Projekte | Anforderungen aus laufenden oder geplanten Projekten |
| Operativer Betrieb | Bedarfe aus dem Tagesgeschäft, Support-Tickets, Verbesserungsvorschläge |
| Externe Faktoren | Gesetzesänderungen, Marktveränderungen, Wettbewerber |
Methoden der Bedarfserfassung:
- Interviews: Strukturierte Gespräche mit Ansprechpartnern
- Workshops: Kollaborative Bedarfsdefinition
- Umfragen: Breite Erfassung von Anforderungen
- Beobachtung: Analyse der Arbeitspraktiken
- Dokumentenanalyse: Auswertung vorhandener Dokumentationen
Praxistipp
Erfassen Sie Bedarfe immer mit Kontext: Wer benötigt was, warum, wann, wie? Das "Warum" ist besonders wichtig, da es die eigentlichen geschäftlichen Ziele offenlegt. Oft wird ein konkreter Bedarf genannt, aber das dahinterliegende Ziel ist nicht klar. Durch das Verständnis der Ziele können oft bessere Lösungen gefunden werden.
2.2 Bedarfsanalyse
Zweck: Analyse und Klärung der erfassten Bedarfe.
Aktivitäten:
- Bedarfe klären: Sind die Bedarfe verständlich und vollständig?
- Bedarfe kategorisieren: Welche Art von Bedarf ist es (z. B. Service, Projekt, Infrastruktur)?
- Bedarfe strukturieren: Zusammenhänge und Abhängigkeiten identifizieren
- Bedarfe validieren: Sind die Bedarfe realistisch und machbar?
Kategorisierung von Bedarfen:
| Kategorie | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Strategisch | Bedarfe, die die strategischen Ziele unterstützen | Digitale Transformation, neue Geschäftsmodelle |
| Operativ | Bedarfe für den laufenden Betrieb | Performance-Verbesserung, Fehlerbehebung |
| Taktisch | Bedarfe für mittelfristige Optimierungen | System-Integration, Prozessoptimierung |
| Compliance | Bedarfe zur Einhaltung von Vorschriften | GDPR-Compliance, ISO-Zertifizierung |
2.3 Bewertung und Priorisierung
Zweck: Bewertung der Bedarfe nach Nutzen und Wirtschaftlichkeit sowie Priorisierung.
Bewertungskriterien:
| Kriterium | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Nutzen | Welcher geschäftliche Nutzen wird erwartet? | Kostensenkung, Effizienzsteigerung, Umsatzsteigerung |
| Wirtschaftlichkeit | ROI, Amortisationszeit, Kosten-Nutzen-Verhältnis | ROI > 1, Amortisation < 2 Jahre |
| Strategische Bedeutung | Beitrag zu strategischen Zielen | Unterstützung der Digitalisierungsstrategie |
| Dringlichkeit | Wie dringend ist der Bedarf? | Kritisch für den Geschäftsbetrieb vs. nice-to-have |
| Risiko | Welche Risiken bestehen bei Nicht-Implementierung? | Compliance-Verstoß, Wettbewerbsnachteil |
| Aufwand | Wie hoch ist der Aufwand für die Umsetzung? | Zeit, Kosten, Ressourcen |
Priorisierungsmethoden:
-
MoSCoW-Methode:
- M - Must have: Wichtig, ohne Umsetzung scheitert das Projekt
- S - Should have: Wichtig, aber temporär verzichtbar
- C - Could have: Nützlich, aber nicht notwendig
- W - Won't have: In diesem Umfang nicht umsetzen
-
Punkte-System:
- Vergabe von Punkten für jedes Kriterium (z. B. 1-5)
- Summe der Punkte ergibt Priorität
-
100-Dollar-Methode:
- Verteilung von 100 "Dollar" auf die Bedarfe
- Je mehr "Dollar", desto höher die Priorität
Priorisierung mit Punkte-System
Drei Bedarfe werden mit einem Punkte-System (1-5 Punkte je Kriterium) bewertet:
| Kriterium | Bedarf A
Mobile App | Bedarf B
CRM-Erweiterung | Bedarf C
Cloud-Migration |
|------------|------------------------|------------------------------|----------------------------| | Nutzen | 4 | 5 | 3 | | Wirtschaftlichkeit | 3 | 4 | 2 | | Strategische Bedeutung | 4 | 5 | 4 | | Dringlichkeit | 3 | 4 | 2 | | Risiko | 4 | 3 | 3 | | Summe | 18 | 21 | 14 |
**Priorisierung:** Bedarf B (21 Punkte) > Bedarf A (18 Punkte) > Bedarf C (14 Punkte)
2.4 Service-Katalog-Abgleich
Zweck: Abgleich der Bedarfe mit dem Service-Katalog.
Aktivitäten:
- Prüfung, ob der Bedarf durch bestehende Services abgedeckt werden kann
- Identifikation von Lücken im Service-Katalog
- Planung neuer Services oder Erweiterung bestehender Services
Service-Katalog: Ein Verzeichnis aller Services, die ein IT-Dienstleister anbietet, mit Beschreibung, Kosten, SLAs und Verantwortlichkeiten.
Zweck des Service-Katalogs
Der Service-Katalog schafft Transparenz über angebotene Services, ermöglicht eine standardisierte Service-Erbringung, und bildet die Grundlage für die Kommunikation mit Kunden über verfügbare Services.
2.5 Kapazitäts- und Budgetplanung
Zweck: Planung der Kapazitäten und des Budgets zur Erfüllung der Bedarfe.
Aktivitäten:
- Kapazitätsanalyse: Welche Ressourcen werden benötigt (Mitarbeiter, Systeme, Budget)?
- Budgetplanung: Wie hoch sind die Kosten für die Umsetzung der Bedarfe?
- Kapazitätsallokation: Zuweisung von Ressourcen zu Bedarfen
- Priorisierung bei Ressourcenengpässen
2.6 Freigabe und Planung
Zweck: Freigabe der Bedarfe und Planung der Umsetzung.
Aktivitäten:
- Entscheidungsfindung: Welche Bedarfe werden genehmigt?
- Projektplanung: Zeitplanung, Ressourcenzuweisung
- Budgetfreigabe: Freigabe der finanziellen Mittel
- Kommunikation: Information an alle Beteiligten
3. Requirements Management
Das Requirements Management überführt die geschäftlichen Bedarfe in klare, überprüfbare Anforderungen an Systeme, Prozesse und Services.
Definition und Zweck
Requirements Management ist ein strukturierter Prozess zur Erfassung, Analyse, Spezifikation, Validierung und Verwaltung von Anforderungen.
Zwecke:
- Überführung von Bedarfen in Anforderungen
- Sicherstellung der Qualität und Vollständigkeit der Anforderungen
- Verwaltung von Änderungen an Anforderungen
- Rückverfolgbarkeit von Anforderungen bis zur Implementierung
Der Requirements Management-Prozess
flowchart LR
A[Requirements-Erfassung] --> B[Requirements-Analyse]
B --> C[Requirements-Spezifikation]
C --> D[Validierung]
D --> E[Management]
E --> F[Verfolgung]
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3.1 Requirements-Erfassung
Zweck: Erfassung aller Anforderungen aus verschiedenen Quellen.
Quellen für Anforderungen:
| Quelle | Beispiele |
|---|---|
| Bedarfe aus Demand Management | Priorisierte geschäftliche Bedarfe |
| Stakeholder | Anforderungen von Anwendern, Management, IT-Abteilung |
| Richtlinien & Standards | Compliance-Anforderungen, Sicherheitsstandards |
| Best Practices | Empfehlungen aus Branchenstandards oder Frameworks |
| Technische Rahmenbedingungen | Anforderungen aus bestehenden Systemen |
Anforderungsarten:
| Anforderungsart | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Funktionale Anforderungen | Was das System tun soll | Benutzer-Login, Bestellung erfassen, Rechnung erstellen |
| Nicht-funktionale Anforderungen | Wie das System es tun soll | Performance, Verfügbarkeit, Sicherheit, Skalierbarkeit |
| Benutzeranforderungen | Anforderungen aus Sicht der Anwender | Benutzerfreundlichkeit, intuitive Navigation |
| Systemanforderungen | Anforderungen aus technischer Sicht | Interoperabilität, Architektur, Technologie-Stack |
| Geschäftsanforderungen | Anforderungen aus geschäftlicher Sicht | Compliance, Kostensenkung, Prozesseffizienz |
Praxistipp: SMART-Anforderungen
Anforderungen sollten nach dem SMART-Prinzip formuliert werden: * S - Spezifisch: Klar und eindeutig * M - Messbar: Überprüfbar und quantifizierbar * A - Akzeptiert: Von allen Stakeholdern akzeptiert * R - Realistisch: Machbar und umsetzbar * T - Terminiert: Mit klaren Zeitrahmen
3.2 Requirements-Analyse
Zweck: Analyse und Klärung der erfassten Anforderungen.
Aktivitäten:
- Anforderungen klären: Sind die Anforderungen verständlich?
- Anforderungen kategorisieren: Zuordnung zu Anforderungsarten
- Anforderungen strukturieren: Zusammenhänge und Abhängigkeiten identifizieren
- Anforderungen konsolidieren: Zusammenfassung redundanter Anforderungen
Analyse-Methoden:
- Use Case-Analyse: Identifikation der Anwendungsfälle
- Benutzerstorys: Beschreibung der Anforderungen aus Sicht der Benutzer
- Stakeholder-Analyse: Identifikation aller Stakeholder und deren Anforderungen
- Glossar: Definition von Begriffen und Fachbegriffen
3.3 Requirements-Spezifikation
Zweck: Dokumentation der Anforderungen in einem Requirements-Lastenheft.
Struktur eines Requirements-Lastenhefts:
| Abschnitt | Inhalt |
|---|---|
| Einleitung | Zweck, Geltungsbereich, Zielsetzung |
| Stakeholder-Übersicht | Beteiligte Stakeholder und deren Rollen |
| Geschäftsziele | Ziele, die mit der Umsetzung erreicht werden sollen |
| Funktionale Anforderungen | Detaillierte Beschreibung der Funktionalitäten |
| Nicht-funktionale Anforderungen | Performance, Sicherheit, Verfügbarkeit, Skalierbarkeit |
| Benutzeranforderungen | Anforderungen an Benutzeroberfläche und Benutzerfreundlichkeit |
| Systemanforderungen | Technische Anforderungen und Architektur |
| Randbedingungen | Einschränkungen, Rahmenbedingungen, Annahmen |
| Akzeptanzkriterien | Kriterien, die erfüllt sein müssen, um die Anforderungen als erfüllt zu betrachten |
Anforderungs-Spezifikation: Funktionale Anforderung
Anforderung: Benutzer-Login
Beschreibung: Benutzer können sich mit Benutzername und Passwort im System authentifizieren.
Funktionalität: * Benutzer kann Benutzername und Passwort eingeben * System validiert Benutzername und Passwort * Bei erfolgreicher Validierung wird Benutzer zur Startseite weitergeleitet * Bei fehlgeschlagener Validierung wird Fehlermeldung angezeigt
Nicht-funktionale Anforderungen: * Login-Dauer < 2 Sekunden * Maximale gleichzeitige Login-Versuche: 1.000 * Passwörter müssen verschlüsselt gespeichert werden
Akzeptanzkriterien: * Benutzer kann sich mit korrekten Daten erfolgreich einloggen * Benutzer erhält Fehlermeldung bei falschen Daten * System weist Fehlermeldung nach 3 fehlgeschlagenen Login-Versuchen aus
3.4 Validierung
Zweck: Überprüfung, ob die Anforderungen die Bedarfe und Erwartungen der Stakeholder erfüllen.
Validierungs-Methoden:
- Reviews: Systematische Überprüfung der Anforderungen durch Experten
- Prototyping: Entwicklung von Prototypen zur Validierung der Anforderungen
- Walkthroughs: Gemeinsame Durchgänge der Anforderungen
- Stakeholder-Feedback: Feedback der Stakeholder zu den Anforderungen
Validierungs-Kriterien:
- Erfüllen die Anforderungen die Bedarfe?
- Sind die Anforderungen vollständig?
- Sind die Anforderungen konsistent?
- Sind die Anforderungen verständlich?
- Sind die Anforderungen realistisch?
3.5 Requirements-Management
Zweck: Verwaltung von Änderungen an Anforderungen während des Projekts.
Aktivitäten:
- Änderungsmanagement: Verwaltung von Änderungen an Anforderungen
- Versionsverwaltung: Nachverfolgung von Versionen der Anforderungen
- Rückverfolgbarkeit: Verfolgung von Anforderungen bis zur Implementierung
- Abhängigkeitsmanagement: Verwaltung von Abhängigkeiten zwischen Anforderungen
Change Management für Anforderungen:
flowchart LR
A[Änderungsanfrage] --> B[Änderungsanalyse]
B --> C{Auswirkungen bewerten}
C -->|Gering| D[Kleine Änderung<br/>Schnellgenehmigung]
C -->|Hoch| E[Änderungs-Review<br/>Entscheidungsprozess]
E --> F[Genehmigt?]
F -->|Ja| G[Anforderung anpassen]
F -->|Nein| H[Änderung ablehnen]
G --> I[Stakeholder informieren]
D --> I
I --> J[Implementierung planen]
4. Verbindung zwischen Demand Management und Requirements Management
Das Demand Management und das Requirements Management sind eng miteinander verbunden. Das Demand Management liefert die priorisierten geschäftlichen Bedarfe, die das Requirements Management in konkrete Anforderungen an Systeme und Services überführt.
graph LR
A[Geschäftliche Bedarfe] --> B[Demand Management]
B --> C[Priorisierte Bedarfe]
C --> D[Requirements Management]
D --> E[Anforderungen]
E --> F[System-/Service-Spezifikation]
F --> G[Implementierung]
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Die Schnittstelle
Übergabe-Informationen:
- Priorisierte Bedarfe
- Geschäftsziele
- Stakeholder-Analyse
- Randbedingungen und Einschränkungen
- Budget und Zeitrahmen
Rückfluss-Informationen:
- Anforderungsspezifikationen
- Technische Machbarkeit
- Aufwandsabschätzungen
- Risikobeurteilung
- Akzeptanzkriterien
Wichtigkeit der Schnittstelle
Eine klare Schnittstelle zwischen Demand Management und Requirements Management ist entscheidend für den Projekterfolg. Die Business-Seite (Demand Management) definiert, WAS benötigt wird, und die IT-Seite (Requirements Management) definiert, WIE dies umgesetzt wird. Eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten ist daher essenziell.
5. Qualitätsvereinbarungen
Qualitätsvereinbarungen definieren klare Erwartungen und Verantwortlichkeiten, um die Servicequalität langfristig zu sichern.
Arten von Qualitätsvereinbarungen
| Vereinbarungsart | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| SLA (Service Level Agreement) | Vereinbarung über Servicequalität zwischen Dienstleister und Kunde | Verfügbarkeit 99,9%, Reaktionszeit < 2 Std. |
| OLA (Operational Level Agreement) | Vereinbarung zwischen internen Abteilungen über Servicequalität | SLA für interne Datenbank-Services |
| UC (Underpinning Contract) | Vertrag mit Externen über die Bereitstellung von Services | Wartungsvertrag mit Hardware-Lieferant |
| SOP (Standard Operating Procedure) | Standardisierte Ablaufbeschreibungen für Prozesse | Prozess für Incident Management |
Komponenten von Qualitätsvereinbarungen
5.1 Service-Beschreibung
Klare Beschreibung des Services:
- Service-Beschreibung: Was wird bereitgestellt?
- Service-Ziel: Welches Problem wird gelöst?
- Service-Umfang: Was ist inklusive, was ist exklusive?
- Service-Einschränkungen: Gibt es Einschränkungen?
5.2 Service-Levels
Definition der Servicequalität:
- Verfügbarkeit: Wie oft muss der Service verfügbar sein?
- Reaktionszeit: Wie schnell wird auf Anfragen reagiert?
- Wiederherstellungszeit: Wie schnell werden Störungen behoben?
- Qualität: Welche Qualität muss der Service haben?
5.3 Verantwortlichkeiten
Klare Definition der Verantwortlichkeiten:
- Dienstleister-Verantwortlichkeiten: Was übernimmt der Dienstleister?
- Kunden-Verantwortlichkeiten: Was muss der Kunde tun?
- Gemeinsame Verantwortlichkeiten: Was wird gemeinsam getan?
5.4 Messung und Berichterstattung
Definition der Messmethoden und Berichterstattung:
- KPIs: Welche Kennzahlen werden gemessen?
- Messmethoden: Wie werden die Kennzahlen gemessen?
- Berichtszeitraum: Wie oft werden Berichte erstellt?
- Berichtsformat: Wie sehen die Berichte aus?
5.5 Konsequenzen bei Nichteinhaltung
Definition der Konsequenzen bei SLA-Verletzung:
- Service Credits: Gutschriften bei Nichteinhaltung
- Vertragsstrafen: Zusätzliche Strafzahlungen bei grober Verletzung
- Sonderkündigungsrecht: Recht zur Kündigung bei wiederholter Verletzung
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Demand Management | Prozess zur Erfassung, Bewertung und Priorisierung von geschäftlichen IT-Bedarfen |
| Requirements Management | Prozess zur Erfassung, Analyse, Spezifikation, Validierung und Verwaltung von Anforderungen |
| Bedarf | Geschäftlicher Bedarf an IT-Services oder -Systemen |
| Anforderung | Konkrete, überprüfbare Forderung an ein System oder Service |
| Funktionale Anforderung | Anforderung, die beschreibt, WAS ein System tun soll |
| Nicht-funktionale Anforderung | Anforderung, die beschreibt, WIE ein System eine Funktionalität erfüllt |
| MoSCoW-Methode | Priorisierungsmethode: Must have, Should have, Could have, Won't have |
| SMART-Anforderungen | Spezifisch, Messbar, Akzeptiert, Realistisch, Terminiert |
| Qualitätsvereinbarung | Vereinbarung über die Qualität eines Services |
| SLA | Service Level Agreement; Vereinbarung über Servicequalität zwischen Dienstleister und Kunde |
| OLA | Operational Level Agreement; Vereinbarung über Servicequalität zwischen internen Abteilungen |
| UC | Underpinning Contract; Vertrag mit Externen über Service-Bereitstellung |
| KPI | Key Performance Indicator; Leistungskennzahl zur Erfolgsmessung |
Verständnisfragen
Frage 1: Demand Management vs. Requirements Management
Ein Unternehmen möchte ein neues Kundenbeziehungsmanagement-System einführen. Beschreiben Sie, welche Aufgaben das Demand Management und welche das Requirements Management in diesem Szenario übernimmt und wie beide Prozesse zusammenarbeiten.
Lösung: Demand Management: * Bedarfserfassung: Erfassung des geschäftlichen Bedarfs an einem CRM-System * Bedarfsanalyse: Analyse, warum das CRM-System benötigt wird (z. B. Kundenzufriedenheit steigern, Prozesseffizienz erhöhen) * Bewertung & Priorisierung: Bewertung des Nutzens (z. B. Umsatzsteigerung, Kostensenkung) und Priorisierung gegenüber anderen Bedarfen * Service-Katalog-Abgleich: Prüfung, ob ein CRM-System bereits angeboten wird oder entwickelt werden muss
Requirements Management: * Requirements-Erfassung: Erfassung aller Anforderungen an das CRM-System (funktionale Anforderungen wie Kundenverwaltung, Auftragsbearbeitung; nicht-funktionale Anforderungen wie Performance, Sicherheit) * Requirements-Analyse: Analyse und Klärung der Anforderungen, Strukturierung der Anforderungen * Requirements-Spezifikation: Dokumentation der Anforderungen in einem Requirements-Lastenheft * Validierung: Validierung der Anforderungen mit den Stakeholdern
Zusammenarbeit: Das Demand Management liefert die priorisierten geschäftlichen Bedarfe (z. B. "CRM-System zur Steigerung der Kundenzufriedenheit") an das Requirements Management. Das Requirements Management überführt diese Bedarfe in konkrete Anforderungen (z. B. "Benutzer können Kundendaten erfassen, bearbeiten und löschen"). Beide Prozesse arbeiten eng zusammen, um sicherzustellen, dass die geschäftlichen Bedarfe in technische Anforderungen übersetzt werden.
Frage 2: Priorisierung mit MoSCoW
Ein Unternehmen hat folgende Bedarfe für ein neues IT-Projekt: A) Integration mit dem bestehenden ERP-System (muss für den Geschäftsbetrieb) B) Mobile App für die Dateneingabe (würde die Benutzerfreundlichkeit erhöhen) C) Berichtsfunktionalität (wäre für die Analyse hilfreich) D) Automatische Datensicherung (kritisch für die Sicherheit)
Priorisieren Sie diese Bedarfe mit der MoSCoW-Methode und begründen Sie Ihre Entscheidung.
Lösung:
| Bedarf | MoSCoW-Kategorie | Begründung |
|---|---|---|
| A) Integration mit ERP-System | M - Must have | Kritisch für den Geschäftsbetrieb; ohne Integration ist das System nicht verwendbar |
| D) Automatische Datensicherung | M - Must have | Kritisch für die Sicherheit; ohne Datensicherung droht Datenverlust bei Ausfällen |
| B) Mobile App | S - Should have | Wichtig für die Benutzerfreundlichkeit, aber temporär verzichtbar (Desktop-Lösung möglich) |
| C) Berichtsfunktionalität | C - Could have | Nützlich für die Analyse, aber nicht notwendig für den Betrieb (manuelle Berichte möglich) |
Zusammenfassung: * Must have (M): Bedarfe A und D sind kritisch und müssen im ersten Release umgesetzt werden. * Should have (S): Bedarf B ist wichtig, kann aber temporär aufgeschoben werden, wenn Ressourcenengpässe bestehen. * Could have (C): Bedarf C wäre nützlich, ist aber nicht notwendig. * Won't have (W): Keine Bedarfe wurden als "Won't have" eingestuft (alle haben zumindest "Could have"-Niveau).
Frage 3: SMART-Anforderungen formulieren
Folgende Anforderungen wurden formuliert. Prüfen Sie, ob sie den SMART-Kriterien entsprechen, und verbessern Sie sie bei Bedarf:
- "Das System sollte schnell sein."
- "Benutzer können sich einloggen."
- "Die Datenbank muss sicher sein."
- "Das System muss bis zum nächsten Jahr fertig sein."
Lösung:
| Anforderung | SMART-Prüfung | Verbesserung |
|---|---|---|
| 1. Das System sollte schnell sein. | Nicht SMART: Nicht spezifisch ("schnell"), nicht messbar | "Das System muss Seitenladezeiten von < 2 Sekunden bei 100 gleichzeitigen Benutzern haben." |
| 2. Benutzer können sich einloggen. | Nicht SMART: Nicht messbar (keine Kriterien für erfolgreichen Login), nicht terminiert | "Benutzer können sich mit Benutzername und Passwort innerhalb von 2 Sekunden erfolgreich einloggen." |
| 3. Die Datenbank muss sicher sein. | Nicht SMART: Nicht spezifisch ("sicher"), nicht messbar | "Die Datenbank muss alle Daten mit AES-256 verschlüsselt speichern und muss alle 24 Stunden automatisch gesichert werden." |
| 4. Das System muss bis zum nächsten Jahr fertig sein. | Nicht SMART: Nicht spezifisch ("nächstes Jahr"), nicht terminiert | "Das System muss bis zum 31.12.2026 vollständig implementiert und getestet sein." |
SMART-Kriterien: * S - Spezifisch: Klar und eindeutig * M - Messbar: Überprüfbar und quantifizierbar * A - Akzeptiert: Von allen Stakeholdern akzeptiert * R - Realistisch: Machbar und umsetzbar * T - Terminiert: Mit klaren Zeitrahmen
Frage 4: Qualitätsvereinbarungen gestalten
Ein IT-Dienstleister möchte mit einem Kunden ein SLA für einen kritischen Geschäftsservice vereinbaren. Beschreiben Sie, welche Komponenten in das SLA aufgenommen werden sollten und geben Sie konkrete Beispiele.
Lösung:
Komponenten des SLA:
1. Service-Beschreibung: * Service: ERP-System für Auftrags- und Kundenverwaltung * Service-Ziel: Unterstützung der täglichen Geschäftstätigkeit und Effizienzsteigerung der Auftragsbearbeitung * Service-Umfang: Inklusive alle Module (Auftragsbearbeitung, Kundenverwaltung, Rechnungswesen), Exklusive: Individuelle Anpassungen
2. Service-Levels: * Verfügbarkeit: 99,5% (außerhalb geplanter Wartungsfenster) * Reaktionszeit: * Priorität 1 (Kritisch): ≤ 15 Minuten * Priorität 2 (Hoch): ≤ 1 Stunde * Priorität 3 (Mittel): ≤ 4 Stunden * Priorität 4 (Niedrig): ≤ 1 Arbeitstag * Wiederherstellungszeit: * Priorität 1 (Kritisch): ≤ 4 Stunden * Priorität 2 (Hoch): ≤ 8 Stunden * Priorität 3 (Mittel): ≤ 24 Stunden * Priorität 4 (Niedrig): ≤ 3 Arbeitstage
3. Verantwortlichkeiten: * Dienstleister: Systembetrieb, Updates, Support, Monitoring * Kunde: Benutzerverwaltung, Testen von Updates, Meldung von Störungen * Gemeinsam: Regelmäßige Service Reviews, Testen neuer Releases
4. Messung und Berichterstattung: * KPIs: Verfügbarkeit, Reaktionszeit, Wiederherstellungszeit, Kundenzufriedenheit (CSAT) * Messmethoden: Automatisches Monitoring, Ticket-System * Berichtszeitraum: Monatlich * Berichtsformat: Dashboard mit Echtzeit-Daten, monatlicher Bericht
5. Konsequenzen bei Nichteinhaltung: * Service Credits: * Verfügbarkeit 99,4% - 99,5%: 5% Gutschrift * Verfügbarkeit 99,0% - 99,4%: 10% Gutschrift * Verfügbarkeit < 99,0%: 20% Gutschrift * Sonderkündigungsrecht: Bei dreifacher Nichteinhaltung der Verfügbarkeit in einem Quartal
Dieses SLA schafft Klarheit über die Servicequalität, definiert messbare Kriterien, und schafft Transparenz für beide Parteien.