1. Grundlagen der Projektsteuerung & Regelkreis
Lernziele
Nach diesem Kapitel können Sie: - Die Grundlagen der Projektsteuerung definieren und vom Projektcontrolling abgrenzen - Den Steuerungs-Regelkreis mit seinen vier Phasen beschreiben und anwenden - Die Bezugsobjekte der Projektsteuerung identifizieren und erklären - Die Unterschiede zwischen DIN 69901, PMBOK Guide und ISO 21500 aufzeigen - Typische Abweichungen und geeignete Steuerungsmaßnahmen zuordnen - Die Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung der Projektsteuerung erkennen
Modul Übersicht
Modul 11 - Kapitel 1
Lesezeit: ~15-20 Min
Quelle: 11 - Projektsteuerung in IT-Projekten.pdf, FS-ITB-11_Steuerung-01_v0c.pdf
1. Einführung: Warum Projektsteuerung notwendig ist
1.1 Die Kernfrage der Projektsteuerung
Die fundamentale Frage, die jeder Projektleiter beantworten können muss, lautet:
Kernfrage
Wie will man ein Projekt steuern, wenn man keinen Plan hat?
Diese看似 einfache Frage deckt die essentielle Bedeutung der Projektsteuerung auf. Ohne Planung gibt es keine Vergleichsmaßstäbe, ohne Vergleichsmaßstäbe keine Steuerung. Die Projektsteuerung ist somit untrennbar mit der Projektplanung verbunden.
1.2 Grundlegende Definition
Projektsteuerung ist ein zentrales Element des Projektcontrollings. Sie umfasst alle Tätigkeiten, die darauf abzielen, die Ist-Werte des Projekts (z.B. Termine, Kosten, Ergebnisse) entlang der erstellten Pläne und innerhalb der gesetzten Toleranzen möglichst nahe an den Planwerten zu halten.
Die Notwendigkeit der Steuerung und Kontrolle ergibt sich aus der Zukunftsbezogenheit und daraus resultierenden Unsicherheit der Planung:
flowchart LR
A[Planung<br/>zukunftsbezogen] --> B[Unsicherheit]
B --> C[Abweichungen im Projektverlauf]
C --> D[Projektsteuerung<br/>erforderlich]
D --> E[Erreichen der Projektziele]
style A fill:#e3f2fd
style D fill:#4caf50,color:#fff
Die Projektsteuerung verbindet dabei die Projektplanung mit der Projektdurchführung und überwacht den Fortschritt, um bei Abweichungen rechtzeitig korrigierend eingreifen zu können.
2. Der Steuerungs-Regelkreis
2.1 Aufbau des Regelkreises
Die Projektsteuerung folgt einem klassischen Regelkreis-Modell, bestehend aus vier aufeinanderfolgenden Phasen:
flowchart TD
A[Datenerfassung<br/>Ist-Werte erfassen] --> B[Soll-Ist-Vergleich<br/>Differenzen identifizieren]
B --> C[Abweichungsanalyse<br/>Ursachenforschung]
C --> D[Steuerungsmaßnahmen<br/>Korrekturen einleiten]
D -->|Ggf. Planung anpassen| E[Fortgeführte Planung]
E --> A
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style B fill:#fff9c4
style C fill:#ffecb3
style D fill:#4caf50,color:#fff
style E fill:#e1bee7
Phase 1: Datenerfassung (Ist-Werte)
In dieser Phase werden aktuelle Projektdaten systematisch erfasst:
| Bezugsobjekt | Beispiele für Ist-Werte | Messmethoden |
|---|---|---|
| Projektfortschritt | Erledigte Arbeitspakete, Meilensteine | Statusberichte, Projekttagebuch |
| Termine | tatsächliche Fertigstellungstermine | Abgleich mit Terminplan |
| Kapazitäten | Tatsächlich geleistete Arbeitszeiten | Zeiterfassung, Ressourcenberichte |
| Kosten | tatsächlich angefallene Kosten | Rechnungen, Budgetabgleich |
| Qualität | Anzahl gefundener Fehler, Testergebnisse | Qualitätsmetriken, Testreports |
| Wirtschaftlichkeit | ROI, Nutzwerte | Wirtschaftlichkeitsanalysen |
Phase 2: Soll-Ist-Vergleich
Gegenüberstellung der geplanten Werte mit den tatsächlich ermittelten Daten:
Beispiel: Kostenabweichung
Soll-Kosten für Monat 3: 50.000 € Ist-Kosten in Monat 3: 60.000 € Abweichung: +10.000 € (+20%)
Wichtig: Die bloße Dokumentation ist nicht genug - es muss analysiert werden, WARUM diese Abweichung aufgetreten ist.
Phase 3: Abweichungsanalyse
Ursachenforschung ist der Schlüssel zur wirksamen Steuerung. Typische Ursachen für Abweichungen:
| Kategorie | Beispiele |
|---|---|
| Planungsfehler | Unterschätzter Aufwand, vergessene Aufgaben, unrealistische Termine |
| Ressourcenprobleme | Fehlende Qualifikationen, Krankheit, Personalengpässe |
| Technische Herausforderungen | Unerwartete Komplexität, Integrationsprobleme |
| Änderungswünsche | Scope Creep, neue Anforderungen |
| Kommunikationsdefizite | Missverständnisse, unklare Anforderungen |
Phase 4: Steuerungsmaßnahmen
Basierend auf der Abweichungsanalyse werden gezielte Maßnahmen eingeleitet:
Prinzip der Maßnahmen
Aus der Art der Abweichungen werden die Stoßrichtungen der durchzuführenden Maßnahmen festgelegt.
2.2 Kategorien von Steuerungsmaßnahmen
Je nach Art der Abweichung kommen unterschiedliche Maßnahmen in Frage:
| Maßnahme | Ziel | Beispiele |
|---|---|---|
| Projektbeschleunigung | Zeitverzug ausgleichen | Zusätzliche Ressourcen, Parallelisierung, Einschränkung von Scope |
| Qualitätssteigerung | Qualitätsprobleme beheben | Zusätzliche Tests, Refactoring, Schulungen |
| Leistungssteigerung | Teamproduktivität erhöhen | Schulungen, Coaching, Tool-Einsatz |
| Kostensenkung | Budgetüberschreitung kompensieren | Optimierung von Prozessen, Reduktion nicht kritischer Features |
Häufiger Fehler in der Praxis
In der Praxis machen viele Projektleiter Projektpläne und verankern sogar zugehörige Kontrollmechanismen, aber sie greifen nicht steuernd in den Projektablauf mit Gegenmaßnahmen ein, um das Projekt wieder auf Kurs zu bringen.
Dies ist keine Projektsteuerung, sondern lediglich Projektüberwachung.
3. Bezugsobjekte der Projektsteuerung
3.1 Das Magische Dreieck
Das klassische Projektmanagement-Dreieck (auch "Magisches Dreieck" oder "Projektmanagement-Dreieck" genannt) beschreibt den Zielkonflikt zwischen den drei zentralen Parametern:
graph TD
A[Zeit<br/>Termine] --- B[Leistung/Qualität<br/>Umfang, Anforderungen]
B --- C[Kosten/Aufwand<br/>Budget, Ressourcen]
C --- A
style A fill:#ffecb3
style B fill:#c8e6c9
style C fill:#ffcdd2
Die Steuerung muss kontinuierlich这三个 Parameter überwachen und bei Abweichungen balancieren:
Zusammenhang
Eine Änderung an einem Parameter hat zwingend Auswirkungen auf mindestens einen anderen Parameter. Eine Zeitverkürzung führt z.B. meist zu höheren Kosten oder geringerer Qualität.
3.2 Die sechs Bezugsobjekte
Die Projektsteuerung überwacht und steuert sechs zentrale Bezugsobjekte:
mindmap
root((Projektsteuerung))
Projektfortschritt
Meilensteine
Arbeitspakete
Projektphasen
Termine
Starttermine
Endtermine
Meilensteine
Kapazitäten
Personal
Auslastung
Verfügbarkeit
Kosten
Budget
Ist-Kosten
Prognose
Qualität
Anforderungen
Qualitätssicherung
Testergebnisse
Wirtschaftlichkeit
ROI
Nutzen
Kosten-Nutzen-Relation
4. Normen und Standards für Projektsteuerung
4.1 DIN 69901: Die deutsche Norm
Die DIN 69901 (Deutsche Industrie Norm) ist der deutsche Standard für Projektmanagement. In der Version 2009 spezifiziert sie Steuerung als eigenständige Projektmanagementphase, neben Initialisierung, Definition, Planung und Abschluss.
Die Projektmanagementphasen nach DIN 69901:2009
| Phase | Beschreibung |
|---|---|
| Initialisierung | Projektidee, Machbarkeit, Entscheidung über Projektstart |
| Definition | Konkrete Projektziele, Abgrenzung des Projektumfangs |
| Planung | Detaillierte Ausarbeitung aller Pläne (Zeit, Kosten, Qualität, etc.) |
| Steuerung | Überwachung und Lenkung des Projekts während der Durchführung |
| Abschluss | Dokumentation, Übergabe, Projektabschluss |
Prozesse der Steuerungsphase
Die Projektmanagementphase "Steuerung" umfasst 15 einzelne Prozesse. Diese decken alle wesentlichen Wissensgebiete ab:
- Ablauf und Termine
- Änderungen
- Information und Kommunikation
- Kosten
- Organisation
- Qualität
- Ressourcen
- Risiko
- Projektstruktur
- Verträge
- Ziele
4.2 PMBOK Guide: Monitoring and Controlling
Der Project Management Body of Knowledge (PMBOK Guide) vom Project Management Institute (PMI) ist ein international anerkannter Standard. In der 5. Edition werden die Aufgaben der Projektsteuerung durch:
- 11 Einzelprozesse in der Prozessgruppe "Monitoring and Controlling (Überwachung & Steuerung)"
- 8 Prozesse in der Prozessgruppe "Executing (Ausführung)"
beschrieben.
Wichtige Prozesse im PMBOK für Steuerung
| Wissensgebiet | Steuerungsprozess |
|---|---|
| Integrations-Management | Projekt-Controlling und Change-Management |
| Inhalts- und Umfangs-Management | Verifizierung und Steuerung des Scope |
| Termin-Management | Steuerung des Terminplans |
| Kosten-Management | Steuerung der Kosten |
4.3 ISO 21500: Internationale Norm
Die ISO 21500 ist die internationale Projektmanagement-Norm, die Projektmanagement strukturiert in:
- Prozessgruppen: Initiierung, Planung, Umsetzung, Controlling, Abschluss
- Themengruppen: Integration, Stakeholder, Inhalte, Ressourcen, Termine, Kosten, Risiko, Qualität, Beschaffung, Kommunikation
4.4 Vergleich der Standards
| Aspekt | DIN 69901 | PMBOK Guide | ISO 21500 |
|---|---|---|---|
| Herkunft | Deutschland | International (USA) | International |
| Struktur | 5 Phasen | 5 Prozessgruppen | 5 Prozessgruppen |
| Steuerung | Eigene Phase | Monitoring & Controlling | Controlling-Prozessgruppe |
| Anwendung | häufig im deutschsprachigen Raum | weltweit | zunehmend international |
| Detailtiefe | Sehr detailliert | Umfassend | Konzeptuell |
Praxisempfehlung
In der Praxis verwenden viele Organisationen eine kombinierte Herangehensweise: DIN 69901 als Struktur, PMBOK für Details und Methoden, ISO 21500 als konzeptionellen Rahmen.
5. Kernaufgaben der Projektsteuerung
5.1 Maßnahmen bei Abweichungen
Wenn Abweichungen festgestellt werden, muss der Projektleiter aktiv werden:
flowchart LR
A[Abweichung erkannt] --> B{Art der Abweichung?}
B -->|Zeitverzug| C[Projektbeschleunigung]
B -->|Qualitätsprobleme| D[Qualitätssteigerung]
B -->|Produktivitätsprobleme| E[Leistungssteigerung]
B -->|Budgetüberschreitung| F[Kostensenkung]
C --> G[Maßnahme umsetzen]
D --> G
E --> G
F --> G
G --> H[Neuen Plan erstellen]
H --> A
style A fill:#ffcdd2
style G fill:#4caf50,color:#fff
5.2 Berichtswesen
Das Berichtswesen dient der Gegenüberstellung und Kommunikation der geplanten und tatsächlichen Projektleistung.
Bestandteile eines Projektstatusberichts
| Bereich | Inhalte |
|---|---|
| Projektfortschritt | Erledigte Arbeitspakete, erreichte Meilensteine, nächster Meilenstein |
| Termine | Plan-Ist-Vergleich, prognostizierter Abschluss |
| Kosten | Plan-Ist-Vergleich, Budgetverbrauch, Kostenprognose |
| Qualität | Testergebnisse, offene Tickets, Qualitätsmetriken |
| Risiken | Neue Risiken, Status bestehender Risiken |
| Offene Punkte | Decisions Required, Blocker, Support-Anfragen |
| Nächste Schritte | Aufgaben für die kommende Periode |
Frequenz des Berichtswesens
Die Berichtsfrequenz hängt von der Projektgröße und -kritikalität ab: - Täglich: Kritische Projektphasen, Krisenmanagement - Wöchentlich: Standard für IT-Projekte - 14-tägig/Monatlich: Große, weniger zeitkritische Projekte
5.3 Abnahmen
Vereinbarte Liefer- und Leistungsumfänge werden formal abgenommen. Die Abnahme ist ein kritischer Schritt, da sie:
- Die Erfüllung der Anforderungen bestätigt
- Die rechtliche Grundlage für Zahlungen bildet
- Den Übergang der Verantwortung markiert
5.4 Nachforderungen
Mögliche Nachforderungen gegenüber Kunden und Lieferanten müssen geltend gemacht werden. Dies ist besonders wichtig bei:
- Änderungswünschen des Kunden über den vereinbarten Scope hinaus
- Zusätzlichen Aufwendungen durch verschuldete Verzögerungen
- Technischen Problemen auf Kundenseite
5.5 Teamentwicklung
Die Projektsteuerung muss auf eine Teamentwicklung bezüglich Produktivität und Wissenserweiterung achten. Ein gut funktionierendes Team ist:
- Produktiver: Höhere Effizienz bei gleichem Ressourceneinsatz
- Lernfähiger: Schnellere Adaption an neue Anforderungen
- Widerstandsfähiger: Bessere Bewältigung von Herausforderungen und Stress
5.6 Stakeholder-Kommunikation
Die Kommunikation mit den Stakeholdern des Projektes wird gemäß Kommunikationsplanung durchgeführt. Wichtige Aspekte:
- Regelmäßige Updates: Statusberichte, Meilensteinberichte
- Krisenkommunikation: Schnelle und transparente Information bei Problemen
- Aktives Einbinden: Stakeholder bei Entscheidungen partizipieren lassen
6. Wesentliche Herausforderungen der Projektsteuerung
6.1 Performance des Teams bis zum Ziel aufrechterhalten
Teams neigen dazu, über die Dauer eines Projekts an Motivation und Effektivität zu verlieren. Dies kann durch folgende Maßnahmen counterbalance werden:
| Maßnahme | Beschreibung |
|---|---|
| Regelmäßige Erfolge feiern | "Quick Wins" sichtbar machen und würdigen |
| Klare Ziele und Fortschritt | Transparente Darstellung des Gesamtfortschritts |
| Ausreichende Pausen | Vermeidung von Burnout durch Überlastung |
| Wertschätzung | Anerkennung von individueller und Teamleistung |
| Persönliche Entwicklung | Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten bieten |
6.2 Erkennen von und Reagieren auf Abweichungen
Die Herausforderung liegt nicht nur im Erkennen, sondern auch im rechtzeitigen und angemessenen Reagieren:
Reaktionszeiten bei Abweichungen
Je früher eine Abweichung erkannt wird, desto geringer sind die notwendigen Korrekturmaßnahmen und desto höher ist die Erfolgsquote.
| Zeitrahmen der Erkennung | Schwierigkeit der Korrektur |
|---|---|
| Tage nach Auftreten | Einfach, geringe Auswirkungen |
| Wochen nach Auftreten | Mittel, moderater Aufwand |
| Monate nach Auftreten | Schwierig, großer Aufwand |
| Am Projektende | Oft nicht mehr korrigierbar |
6.3 Praktische Hürden in der Projektsteuerung
| Hürde | Erklärung | Lösungsansatz |
|---|---|---|
| Mangelnde Akzeptanz | Team sieht Steuerung als Bürokratie | Mehrwert kommunizieren, Beteiligung ermöglichen |
| Unvollständige Daten | Lückenhafte Datenerfassung | Automatisierung, klare Prozesse |
| Zeitdruck | Keine Zeit für Analyse | Priorisierung, eskalieren bei kritischen Abweichungen |
| Komplexität | Vielzahl zu überwachender Parameter | Dashboard/KPIs, Fokus auf Kritische Erfolgsfaktoren |
| Politischer Druck | Entscheidungen werden nicht durchgesetzt | Klare Delegation, Support von oben sichern |
7. Zusammenfassung und Praxis-Tipps
7.1 Kernpunkte der Projektsteuerung
- Ohne Plan keine Steuerung - Die Projektsteuerung benötigt fundierte Pläne als Basis
- Regelkreis durchlaufen - Datenerfassung → Soll-Ist-Vergleich → Analyse → Maßnahmen
- Nicht nur überwachen, sondern steuern - Korrigierende Maßnahmen aktiv einleiten
- Alle Bezugsobjekte im Blick - Zeit, Kosten, Qualität, Fortschritt, Kapazitäten, Wirtschaftlichkeit
- Kommunikation ist Schlüssel - Stakeholder regelmäßig und transparent informieren
- Team im Fokus - Motivation und Leistungsfähigkeit aufrechterhalten
7.2 Praxis-Tipps für erfahrene Berater
Tipp 1: Frühzeitig intervenieren
Warten Sie nicht, bis Abweichungen kumulativ werden. Eine kleine Korrektur heute verhindert große Maßnahmen morgen.
Tipp 2: Toleranzen definieren
Definieren Sie für alle KPIs (Key Performance Indicators) Toleranzen (z.B. ±10%). Nur Abweichungen außerhalb der Toleranz lösen Maßnahmen aus. Das reduziert "Störfaktoren" und fokussiert auf wesentliche Abweichungen.
Tipp 3: Visuelle Darstellung nutzen
Nutzen Sie Dashboards und Charts für den Soll-Ist-Vergleich. Eine Grafik sagt mehr als 10 Tabellen.
Tipp 4: Proaktiv statt reaktiv
Analysieren Sie Trends und Prognosen. Warten Sie nicht, bis ein Meilenstein verpasst wurde, sondern antizipieren Sie Verzögerungen.
Tipp 5: Stakeholder-Management
Informieren Sie nicht nur über Status, sondern auch über geplante Korrekturmaßnahmen und deren Auswirkungen.
8. Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Projektsteuerung | Alle Tätigkeiten, die darauf abzielen, Ist-Werte entlang der Pläne und innerhalb gesetzter Toleranzen an Planwerten zu halten |
| Regelkreis | Der Steuerungsprozess aus Datenerfassung, Soll-Ist-Vergleich, Abweichungsanalyse und Steuerungsmaßnahmen |
| Soll-Ist-Vergleich | Gegenüberstellung von Planwerten und tatsächlichen Werten zur Identifikation von Abweichungen |
| Magisches Dreieck | Zielkonflikt zwischen Leistung/Qualität, Zeit und Kosten/Aufwand |
| Bezugsobjekte | Die sechs überwachten Parameter: Projektfortschritt, Termine, Kapazitäten, Kosten, Qualität, Wirtschaftlichkeit |
| Abweichungsanalyse | Ursachenforschung bei festgestellten Differenzen zwischen Plan und Ist |
| Steuerungsmaßnahmen | Korrigierende Eingriffe wie Projektbeschleunigung, Qualitätssteigerung, Leistungssteigerung, Kostensenkung |
| DIN 69901 | Deutsche Norm für Projektmanagement, definiert Steuerung als eigene Phase |
| PMBOK Guide | Internationaler Standard des Project Management Institute, Prozessgruppe "Monitoring and Controlling" |
| ISO 21500 | Internationale Norm für Projektmanagement mit Prozessgruppen und Themengruppen |
| Berichtswesen | Gegenüberstellung und Kommunikation der geplanten und tatsächlichen Projektleistung |
| Hypercare | Phase erhöhter Aufmerksamkeit und Support-Intensität direkt nach dem Go-Live |
| Scope Creep | Unkontrolliertes Anwachsen des Projektumfangs durch kleine, schleichende Änderungen |
9. Verständnisfragen
Frage 1: Regelkreis-Prozess
Ein Projektleiter stellt fest, dass die Entwicklung eines Moduls 2 Wochen dauert statt wie geplant 1 Woche. Er notiert dies im Projekttagebuch und informiert den Kunden über die Verzögerung.
a) Welche Schritte des Regelkreises wurden durchgeführt? b) Welche Schritte fehlen noch? c) Was wäre ein sinnvoller nächster Schritt?
Lösung: a) Durchgeführt wurden Phase 1: Datenerfassung (Notieren im Projekttagebuch) und teilweise Phase 2: Soll-Ist-Vergleich (Feststellung der Verzögerung). b) Es fehlen Phase 3: Abweichungsanalyse (Ursache der Verzögerung untersuchen) und Phase 4: Steuerungsmaßnahmen (Korrekturmaßnahmen einleiten). c) Der Projektleiter sollte zunächst die Ursache analysieren (z.B. Unterschätzung, fehlende Ressourcen, technische Probleme) und dann geeignete Maßnahmen festlegen (z.B. zusätzliche Ressourcen, Parallelisierung, Priorisierung anderer Aufgaben absenken).
Frage 2: Bezugsobjekte
Nennen Sie alle sechs Bezugsobjekte der Projektsteuerung und geben Sie für jedes ein konkretes Beispiel aus einem IT-Projekt an.
Lösung: 1. Projektfortschritt: Erreichen des Meilensteins "Technischer Entwurf abgeschlossen" 2. Termine: Verzögerung beim Go-Live-Termin von 15.03. auf 22.03. 3. Kapazitäten: Auslastung der Entwickler bei 110% aufgrund Krankheit eines Teammitglieds 4. Kosten: Budgetüberschreitung im Bereich "Datenbank-Lizenzen" um 5.000 € 5. Qualität: 12 kritische Fehler im Systemtest identifiziert 6. Wirtschaftlichkeit: ROI-Prognose sinkt von 25% auf 18% aufgrund höherer Implementierungskosten
Frage 3: Normen und Standards
Ein multinationaler Konzern mit Hauptsitz in Deutschland plant ein großes IT-Projekt. Welchen Standard sollten Sie als Berater für die Projektsteuerung empfehlen und warum?
Lösung: Eine kombinierte Herangehensweise ist empfehlenswert: - DIN 69901 als primäre Struktur, da es der deutsche Standard ist und am Hauptsitz angewendet wird - PMBOK Guide für Details und Methoden, insbesondere für internationale Standorte und Zusammenarbeit - ISO 21500 als konzeptionellen Rahmen und für Zertifizierungszwecke
Begründung: DIN 69901 gewährleistet Compliance mit lokalen Anforderungen, PMBOK bietet breite Methodenvielfalt, ISO 21500 erleichtert internationale Kommunikation und Standardisierung.
Nächstes Kapitel: 2. Kick-off & Projektstart