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Planung 01 V0b

Modul Übersicht

Modul 09 Lesezeit: ~15 Min Quelle: FS-ITB-09_Planung-01_V0b.pdf

🧠 Management Summary

Die Planungseinheit Planung 01 V0b adressiert die kritische Phase zwischen der ersten Analyse und der operativen Umsetzung von IT-Projekten. Ein zentraler Fokus liegt auf der Differenzierung zwischen Produktplanung (Was wird gebaut?) und Projektplanung (Wie wird es umgesetzt?).

Im Bereich der Produktplanung wird die essenzielle Unterscheidung zwischen dem Soll-Konzept (fachliches Zielbild, technologieoffen) und dem Lösungskonzept (technischer Bauplan, technologiefest) herausgearbeitet. Ein erfahrener IT-Berater muss hierbei 15 technische Handlungsfelder – von der Architekturplanung über Cloud-Lösungen bis hin zur Compliance – beherrschen, um eine zukunftsfähige Infrastruktur zu entwerfen.

Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Projekt-Strukturplanung und der Definition von Verantwortlichkeiten. Hierbei werden Werkzeuge wie die AKV-Matrix und die international verbreitete RACI-Matrix vorgestellt, um Rollenkonflikte zu vermeiden und die Verbindlichkeit im Team zu erhöhen. Abschließend wird die Kommunikation als weicher, aber entscheidender Erfolgsfaktor gewürdigt, der sowohl die Sach- als auch die Beziehungsebene umfasst. Eine fundierte Planung minimiert Risiken, sichert die Wirtschaftlichkeit durch Kosten-Nutzen-Analysen und bildet die Messlatte für den späteren Projekterfolg.

## 📚 Kapitelübersicht

Soll-Konzept vs. Lösungskonzept → Verstehen Sie die grundlegende Unterscheidung zwischen fachlichem Zielbild und technischem Bauplan.

15 Handlungsfelder der Lösungskonzeption → Architektur, Cloud, Security, Betrieb und mehr – was ein IT-Berater beherrschen muss.

Verantwortlichkeiten definieren → RACI-Matrix und AKV als Werkzeuge zur Rollenklärung und Konfliktvermeidung.

PSP/WBS erstellen → Systematische Zerlegung von Projekten in steuerbare Arbeitpakete.

Netzplantechnik & Gantt-Charts → Terminplanung, Abhängigkeiten und kritische Pfade beherrschen.

Personen & Budget → Kapazitäten berechnen, Engpässe erkennen und Ressourcen optimieren.

Kommunikationsplanung → Die weichen Faktoren: Stakeholder-Management und Informationsflüsse.

Wissensprüfung → Überprüfen Sie Ihr Wissen mit 10+ praxisnahen Fragen.


📚 Detaillierte Lerninhalte (Summary)

1. Differenzierung: Soll-Konzept vs. Lösungskonzept

In der IT-Beratung ist die präzise Terminologie entscheidend für die Erwartungshaltung des Kunden. * Soll-Konzeption (Zielbild): Sie beschreibt den gewünschten Endzustand aus fachlicher Sicht. Sie ist technologieoffen und konzentriert sich auf Geschäftsprozesse und Anforderungen. Adressaten sind primär das Management und die Fachbereiche. * Lösungskonzeption (Bauplan): Sie ist die konkrete Antwort auf das Soll-Konzept. Hier wird die Technologie festgelegt. Sie dient als verbindliche Arbeitsgrundlage für Entwickler und IT-Spezialisten.

2. Technische Handlungsfelder der Lösungskonzeption

Ein IT-Berater muss bei der Erstellung eines Lösungskonzepts diverse Dimensionen berücksichtigen, um eine ganzheitliche Architektur zu gewährleisten: * Architektur & Integration: Festlegung von Schichtenmodellen (z. B. 3-Tier) und die Anbindung von Drittsystemen via APIs (REST, SOAP). * Infrastruktur-Moderne: Einsatz von Virtualisierung zur Ressourceneffizienz und Cloud-Modellen (IaaS, PaaS, SaaS) für Skalierbarkeit. * Sicherheit & Compliance: Implementierung von Zero-Trust-Modellen, Verschlüsselung und Sicherstellung der DSGVO-Konformität. * Betrieb & Automatisierung: Nutzung von Monitoring-Tools (z. B. Zabbix) und Infrastructure as Code (IaC) zur Fehlerreduzierung.

3. Der Prozess der Lösungsentwicklung

Die Entwicklung erfolgt iterativ in vier Kernschritten: 1. Erarbeitung: Entwurf der Zielarchitektur und Modellierung der Prozesse. 2. Variantenvergleich: Systematische Gegenüberstellung von Alternativen (z. B. Make-or-Buy) anhand von Machbarkeit und Nachhaltigkeit. 3. Wirtschaftlichkeit: Durchführung von Kosten-Nutzen-Analysen, Berechnung des ROI (Return on Investment) oder Break-even-Analysen. 4. Empfehlung: Abgabe einer fundierten Expertenmeinung als Entscheidungsgrundlage für das Management.

4. Planung von Verantwortlichkeiten (RACI & AKV)

Klarheit über Rollen verhindert Projektfehlschläge. * AKV-Matrix: Ein klassisches Instrument zur Definition von Aufgaben, Kompetenzen (Befugnisse) und Verantwortung. * RACI-Matrix: Der internationale Standard. * R (Responsible): Der Durchführende. * A (Accountable): Der im rechtlichen/kaufmännischen Sinne Verantwortliche (nur eine Person pro Aufgabe!). * C (Consulted): Fachleute, die beratend mitwirken. * I (Informed): Personen, die über Ergebnisse informiert werden.

5. Projektplanung und Iteration

Die Projektplanung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein dynamischer Prozess. Nach dem Vertragsschluss erfolgt die Projekt-Strukturplanung. Wichtig ist das Verständnis für Interdependenzen: Ergebnisse der Terminplanung können eine Revision der Ablaufplanung erzwingen (z. B. bei Ressourcenengpässen). Die Planung dient nicht nur der Dokumentation, sondern ist das primäre Werkzeug für Kontrolle und Steuerung.

🔑 Schlüsselbegriffe

Begriff Erklärung
Soll-Konzept Fachliche Beschreibung des Zielzustands ohne technische Festlegung.
Lösungskonzept Technischer Umsetzungsplan inklusive konkreter Produktauswahl.
Interoperabilität Die Fähigkeit verschiedener Systeme, nahtlos zusammenzuarbeiten.
RACI Matrix zur Zuweisung von Verantwortlichkeiten (Responsible, Accountable, Consulted, Informed).
Homogenisierung Vereinheitlichung der IT-Landschaft zur Reduktion von Komplexität und Kosten.
Skalierbarkeit Fähigkeit eines Systems, bei steigenden Anforderungen (Last) mitzuwachsen.
Compliance Einhaltung von gesetzlichen Regeln, Normen (z.B. ISO 27001) und internen Richtlinien.
Iterative Planung Wiederholter Planungsprozess, bei dem neue Erkenntnisse zu Anpassungen früherer Schritte führen.

🎯 Quiz & Wissenscheck

Frage 1: Abgrenzung Soll- vs. Lösungskonzept

Ein Kunde bittet Sie, ein Dokument zu erstellen, das die zukünftigen Geschäftsprozesse beschreibt, aber noch keine Entscheidung für einen spezifischen Software-Hersteller trifft. Welches Dokument erstellen Sie?

Lösung: Sie erstellen ein Soll-Konzept. Dieses ist laut Definition technologieoffen und konzentriert sich auf die fachlichen Anforderungen und Prozesse. Das Lösungskonzept hingegen würde bereits die konkrete Technologie (z.B. SAP vs. Microsoft Dynamics) festlegen.

Frage 2: Verantwortlichkeiten in der RACI-Matrix

In einer RACI-Matrix wird für das Arbeitspaket "Server-Konfiguration" sowohl der IT-Leiter als auch der externe Consultant mit einem "A" (Accountable) markiert. Warum ist dies ein methodischer Fehler?

Lösung: Nach dem RACI-Standard darf es für jede Aufgabe nur genau eine Person geben, die "Accountable" (rechenschaftspflichtig) ist. Mehrere "As" führen zu diffuser Verantwortung und erschweren die Entscheidungsfindung. Mehrere Personen können jedoch das "R" (Responsible) für die Durchführung erhalten.

Frage 3: Handlungsfeld Homogenisierung

Welches primäre Ziel verfolgt ein IT-Berater mit der Strategie der "Homogenisierung" innerhalb einer IT-Infrastruktur?

Lösung: Das Ziel ist die Reduktion von Komplexität und Kosten. Durch die Vereinheitlichung von Betriebssystemen, Datenbanken oder Hardware-Modellen sinkt der Wartungsaufwand, die Ersatzteilhaltung wird vereinfacht und Sicherheits-Policies lassen sich leichter zentral durchsetzen.

Frage 4: Iteration in der Projektplanung

Warum ist es in der Projektplanung oft notwendig, zu bereits abgeschlossenen Schritten (z. B. von der Terminplanung zurück zur Ablaufplanung) zurückzukehren?

Lösung: Dies liegt an den Abhängigkeiten der Planungsschritte. Wenn beispielsweise die Terminplanung ergibt, dass ein Meilenstein aufgrund von Ressourcenmangel nicht haltbar ist, muss die Ablaufplanung (die logische Abfolge der Tätigkeiten) oder die Ressourcenplanung angepasst werden, um den Engpass zu umgehen.

Frage 5: Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Welche Elemente sind essenziell für den Schritt "Kosten-Nutzen beachten" bei der Entwicklung einer Lösungskonzeption?

Lösung: Essenziell sind eine fundierte Kostenabschätzung (Investition, Betrieb, Schulung), die Definition der Nutzenerwartung (Effizienz, Qualität, Sicherheit) und der direkte Vergleich dieser Werte, oft unterstützt durch Kennzahlen wie den ROI oder eine Break-even-Analyse.