01. Theorie - Berater und Kunden
Grundlagen der IT-Beratung
Definition und Rolle
IT-Beratung, auch als IT-Consulting bekannt, ist ein spezialisierter Dienstleistungsbereich, der Unternehmen dabei unterstützt, ihre Informations- und Kommunikationstechnologien optimal zu nutzen. IT-Berater analysieren bestehende IT-Systeme, identifizieren Schwachstellen und entwickeln Strategien, um die Effizienz und Effektivität der IT-Infrastruktur zu verbessern.
Das übergeordnete Ziel ist es, technologische Lösungen zu finden, die den geschäftlichen Anforderungen entsprechen und zur Erreichung der Unternehmensziele des Auftraggebers beitragen. Ein IT-Berater fungiert als Bindeglied zwischen technischen Möglichkeiten und geschäftlichen Anforderungen.
Anforderungen nach IHK
Im Rahmen der Beratung und Unterstützung bei der Umsetzung individueller IT-Kundenlösungen sollten die handelnden Personen folgende Aufgaben übernehmen:
- Kunden und Geschäftspartner beraten und betreuen
- Laufende fachliche Unterstützung im laufenden Betrieb
-
Kontinuierliche Aktualisierung der Kunden über neue Entwicklungen
-
Kundenbeziehungen gestalten
- Aufbau langfristiger Partnerschaften
-
Entwicklung vertrauensvoller Zusammenarbeit
-
Angebots- und Vertragsgestaltung beratend unterstützen
- Erstellung maßgeschneiderter Angebote
- Klärung rechtlicher und kommerzieller Aspekte
Kernbereiche der IT-Beratung
Die Rolle der IT-Beratung ist sehr vielfältig und umfasst folgende Hauptbereiche:
1. IT-Strategie und Planung
Unternehmen werden bei der Entwicklung einer langfristigen IT-Strategie unterstützt, die auf ihre Geschäftsziele und -anforderungen abgestimmt ist. Zu den Aufgaben gehören:
- Identifizierung von Technologietrends: Früherkennung relevanter Entwicklungen wie KI, Cloud Computing, IoT
- Bewertung von Investitionsmöglichkeiten: ROI-Analyse, Kosten-Nutzen-Betrachtung
- Festlegung von Prioritäten: Entscheidungsfindung bei begrenzten Ressourcen
- Erstellung von Roadmaps: Zeit- und Meilensteinpläne für die Implementierung von IT-Lösungen
2. Technologieauswahl und -implementierung
Unternehmen erhalten Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Technologien, Systeme und Softwarelösungen:
- Bewertung verschiedener Optionen: Vergleich von Herstellern und Lösungen
- Durchführung von Machbarkeitsstudien: Prüfung der technischen Umsetzbarkeit
- Unterstützung bei der Implementierung: Projektbegleitung von der Konzeption bis zum Go-Live
- Schulung der Mitarbeitenden: Wissensvermittlung und Change Management
3. Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung
Analyse der bestehenden Geschäftsprozesse eines Unternehmens und Identifizierung von Optimierungsmöglichkeiten:
- Automatisierung von Workflows: Reduktion manueller Tätigkeiten
- Integration von Systemen: Vermeidung von Medienbrüchen
- Steigerung der Produktivität: Effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen
- Kostensenkung: Eliminierung redundanter Prozesse
4. Sicherheit und Risikomanagement
Unterstützung bei der Identifizierung und Bewältigung von IT-Sicherheitsrisiken:
- Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen: Firewalls, Verschlüsselung, Zugriffskontrollen
- Datenschutzrichtlinien: DSGVO-Konformität und Compliance
- Sicherheitsaudits und -tests: Penetrationstests, Vulnerability Scans
- Sicherheitsbewusstsein: Schulung der Mitarbeitenden
5. IT-Infrastruktur und Netzwerke
Unterstützung bei der Planung, Konzeption und Implementierung von IT-Infrastrukturen:
- Server und Netzwerke: On-Premise und Cloud-basierte Lösungen
- Kommunikationssysteme: VoIP, Messaging, Kollaborationstools
- Migrationsunterstützung: Transfer zu neuen Plattformen oder Technologien
- Hybride Architekturen: Kombination von lokalen und Cloud-Systemen
6. Change Management
Begleitung bei der Einführung neuer Technologien oder Veränderungen im IT-Bereich:
- Veränderungsplanung: Strukturierter Ansatz für Transitionen
- Kommunikation: Transparente Information aller Beteiligten
- Schulung der Mitarbeiter: Kompetenzaufbau und Akzeptanz
- Akzeptanzmanagement: Reduzierung von Widerstand
Erforderliche Kompetenzen für IT-Berater
Ein erfolgreicher IT-Berater benötigt eine Kombination aus diversen Fähigkeiten:
Technische Fähigkeiten
- Verständnis für IT-Systeme und -Architekturen
- Kenntnis aktueller Technologietrends
- Fähigkeit zur Bewertung technischer Lösungen
Kommunikationsfähigkeiten
- Effektive Kommunikation mit technischen und nicht-technischen Stakeholdern
- Präsentation komplexer Sachverhalte
- Aktives Zuhören und Verständnis
Analytische Fähigkeiten
- Problemdiagnose und -analyse
- Systematisches Denken
- Strukturierte Herangehensweise
Problemlösungsfähigkeiten
- Kreatives Denken
- Entwicklung innovativer Lösungen
- Flexibilität bei Änderungen
Projektmanagementfähigkeiten
- Planung und Steuerung von Projekten
- Ressourcenmanagement
- Risikomanagement
Kundenmanagement
Definition und Bedeutung
Kundenmanagement bezeichnet alle strategischen und operativen Maßnahmen, die Unternehmen ergreifen, um ihre Beziehungen zu Kunden zu pflegen, zu verbessern und langfristig zu erhalten. Ziel des Kundenmanagements ist es, den Kundenwert zu steigern und die Kundenzufriedenheit zu maximieren. Es umfasst sowohl die Betreuung von Bestandskunden als auch die Gewinnung von Neukunden.
Das Kundenmanagement umfasst alle Strategien, Maßnahmen und Prozesse zur Gewinnung, Bindung und Pflege von Kundenbeziehungen. Ein gutes Kundenmanagement beginnt mit dem Verständnis der Kundenbedürfnisse.
Ziele des Kundenmanagements
Das übergeordnete Ziel ist die Maximierung des Kundenwertes, die durch folgende Aspekte erreicht wird:
1. Erhöhung des Umsatzes
- Durch eine bessere Kundenorientierung können Unternehmen den Umsatz mit Bestandskunden steigern
- Cross-Selling und Up-Selling durch besseres Verständnis der Kundenbedürfnisse
- Längere Kundenbeziehungen führen zu mehr Transaktionen
2. Verbesserung der Kundenbeziehungen
- Zufriedene Kunden sind loyaler und kaufen häufiger
- Positive Mund-zu-Mund-Propaganda kann neue Kunden anziehen
- Reduzierung der Wechselrate (Churn)
3. Effiziente Prozesse
- Ein gut organisiertes Kundenmanagement sorgt für reibungslose Prozesse in der Kundenbetreuung
- Mitarbeiterentlastung durch standardisierte Abläufe
- Verbesserung der Servicequalität
Wichtige Aspekte des Kundenmanagements
1. Kundenbeziehungsmanagement (CRM)
Kundenmanagement basiert oft auf Customer Relationship Management (CRM)-Systemen, die Unternehmen dabei unterstützen, Kundendaten effizient zu verwalten und gezielte Marketing- und Vertriebsmaßnahmen durchzuführen. CRM hilft dabei, den Kundenkontakt zu optimieren und maßgeschneiderte Angebote zu erstellen.
Vorteile: - Zentrale Datenhaltung - Historische Kundeninteraktionen - Automatisierte Prozesse
2. Kundenbindung
Eine zentrale Aufgabe des Kundenmanagements ist die Steigerung der Kundenbindung. Maßnahmen wie regelmäßige Kundenansprachen, personalisierte Angebote und ein exzellentes Beschwerdemanagement sorgen dafür, dass Kunden langfristig an ein Unternehmen gebunden werden.
Strategien: - Loyalty-Programme - Regelmäßiges Feedback - Exzellenter Kundenservice - Personalisierung
3. Kundenzufriedenheit
Kundenzufriedenheit ist ein entscheidender Faktor im Kundenmanagement. Unternehmen müssen sicherstellen, dass die Erwartungen der Kunden erfüllt oder sogar übertroffen werden. Dazu gehört, dass Mitarbeiter die Bedürfnisse der Kunden kennen und passende Lösungen anbieten.
Einflussfaktoren: - Produkt- und Servicequalität - Preis-Leistungs-Verhältnis - Erreichbarkeit und Reaktionszeit - Kommunikationsqualität
Die Bedeutung guter Kundenbeziehungen
Gute Kundenbeziehungen sind eine lohnende Investition, denn ein effektives Kundenmanagement ist entscheidend für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. Es trägt nicht nur zur Steigerung des Umsatzes bei, sondern hilft auch, Kundenbeziehungen nachhaltig zu stärken.
Unternehmen, die auf kundenorientierte Prozesse und eine durchdachte Ausrichtung ihres Kundenmanagements setzen, können: - Sich im Wettbewerb besser behaupten - Ihre Marktposition festigen - Langfristige Kundenloyalität aufbauen - Kosten für Neukundenakquise reduzieren
Kunden möchten wahrgenommen werden und belohnen stabile Beziehungen zum Unternehmen mit Treue und Fürsprache.
Customer Relationship Management (CRM)
Definition
Customer-Relationship-Management (kurz CRM) befasst sich mit der Interaktion eines Unternehmens mit seinen aktuellen Kunden. Übersetzt heißt CRM Kundenbeziehungsmanagement.
Es stellt einen Ansatz dar, alle Prozesse im Kontakt und Informationsaustausch mit den Kunden zu planen, zu steuern und durchzuführen. Im Fokus steht nicht das IT-Produkt, sondern der Kunde und die entsprechenden Geschäftsprozesse.
Ziele von CRM
Das Ziel von CRM ist es, die Kundenkontakte zu optimieren und die Kundenbeziehung zu verbessern. Dem CRM liegt die Erkenntnis zugrunde, dass eine Kundenbeziehung erst mit der Zeit profitabel wird. Das ultimative Ziel ist daher, eine Kundenbeziehung durch geeignete Maßnahmen möglichst lange und profitabel auszugestalten.
Kernprozesse des CRM
Die für das Kundenbeziehungsmanagement wesentlichen Kernprozesse sind in drei Kategorien unterteilt:
1. Strategische CRM-Prozesse
Strategische CRM-Prozesse bilden die Grundlage und definieren die generelle Ausrichtung des Unternehmens im Hinblick auf die Ausgestaltung der Kundenbeziehung.
Aufgaben: - Definition der CRM-Strategie - Zielsetzung für Kundenbindung und -gewinnung - Vorgaben zur Kundenorientierung - Ausrichtung der Unternehmenskultur
2. Analytische CRM-Prozesse
Beim analytischen CRM geht es um die systematische Auswertung von Kundendaten, so dass daraus relevantes Kundenwissen generiert wird.
Methoden: - Data Mining - Segmentierung (z.B. ABC-Analyse) - Kundenbewertung - Warenkorbanalysen - Predictive Analytics
3. Operative CRM-Prozesse
Bei den operativen CRM-Prozessen handelt es sich um konkrete Aktivitäten und Maßnahmen, die die CRM-Strategie in den verschiedenen Fachbereichen und oftmals auch im direkten Kontakt mit den Kunden umsetzen.
Bereiche: - Vertrieb - Marketing - Kundenservice - Support
Rolle der Informationstechnologie
Durch die Informations- und Kommunikationstechnologien (Software, Hardware, Endgeräte, Netzwerke, Medien etc.) wird die Umsetzung der Strategie und Konzepte unterstützt; dient also als "Enabler" bzw. Wegbereiter.
Technologien: - CRM-Systeme - Data Warehouses - Business Intelligence Tools - Marketing Automation Plattformen - Social Media Monitoring Tools
Komponenten von CRM-Systemen
Das analytische CRM
Das analytische CRM führt Analysen auf den im Data-Warehouse-System zusammengeführten Kunden- und Transaktionsdaten durch (Data Mining).
Anwendungen: - Segmentbildung - Kundenbewertung - Warenkorbanalysen - Churn-Vorhersage - Cross-Selling-Potenzialanalyse
Das operative CRM
Komponenten für das operative CRM unterstützen in Verbindung mit den Back Office-Lösungen (ERP) die Kundenkontakte und die zugehörigen Geschäftsprozesse, einschließlich der Steuerung und Integration aller Kommunikationskanäle.
Funktionen: - Kampagnenmanagement - Lead-Management - Opportunity-Management - Service-Ticket-System - Wissensmanagement
Kollaboratives CRM: Eine übergreifende Nutzungsmöglichkeit bedeutet, dass das CRM-System nicht nur innerhalb einer einzelnen Organisationseinheit oder eines Unternehmens eingesetzt wird, sondern auch organisations- und unternehmensübergreifend Anwendung findet.
Das kommunikative CRM
Das kommunikative CRM spricht die direkte Schnittstelle zum Kunden an, z. B. die Kundenkontaktpunkte (Touchpoints). Es werden die verschiedenen Kommunikationskanäle für den Kundenkontakt bereitgestellt. Hierbei spricht man auch von Multichannel-Management.
Kanäle: - Telefon (Call Center) - E-Mail - Chat und Messaging - Social Media - Web-Self-Service - Persönliche Meetings
Prozesse im Kundenmanagement
Eine Kategorisierung typischer Prozesse im Kundenmanagement in die drei gängigen Prozessarten (Führungsprozesse, Leistungsprozesse, Unterstützungsprozesse) nach dem Prozessmanagement-Ansatz.
Führungsprozesse
Führungsprozesse steuern und richten das Kundenmanagement strategisch aus.
Prozesse: - CRM-Strategieentwicklung: Entwicklung von Zielen und Maßnahmen zur Kundenbindung und -gewinnung - Qualitätsmanagement: Vorgaben zur Kundenorientierung, Monitoring der Servicequalität - Controlling & Reporting: Auswertung von KPIs wie Kundenzufriedenheit, Response-Zeiten, Umsatzentwicklung - Ressourcenplanung: Budgetplanung im Marketing, Vertrieb, Kundenservice - Mitarbeiterführung im Kundenbereich: Zielvereinbarungen, Feedbackgespräche, Personalentwicklung
Leistungsprozesse
Leistungsprozesse leisten einen direkten Beitrag zur Wertschöpfung mit und für den Kunden.
Prozesse: - Leadgenerierung & -qualifizierung: Identifikation und Bewertung potenzieller Neukunden - Kundenakquise / Vertrieb: Angebotsabgabe, Vertragsabschluss, Neukundengewinnung - Kundenberatung & Betreuung: Persönliche Beratung, Produktempfehlungen, individuelle Lösungen - Auftragsabwicklung: Bearbeitung von Kundenaufträgen, Abstimmung mit Produktion/Lieferung - Beschwerdemanagement: Bearbeitung von Reklamationen und kritischen Kundenanliegen - Kundenbindungsmaßnahmen: z. B. Treueprogramme, exklusive Angebote, Follow-ups - Kundenrückgewinnung: Maßnahmen zur Rückgewinnung abgewanderter oder inaktiver Kunden
Unterstützungsprozesse
Unterstützungsprozesse unterstützen die Leistungsprozesse indirekt.
Prozesse: - CRM-Systempflege: Verwaltung von Kundendaten, Systempflege, Schnittstellenmanagement - Schulung & Training: Einweisung der Mitarbeiter in Kundenkommunikation und CRM-Tools - IT-Support für CRM-Systeme: Technischer Support, Rechteverwaltung, Systemupdates - Datenanalyse & Zielgruppenmanagement: Datenanalyse von Kundenverhalten, Segmentierung, Personalisierung - Dokumentenmanagement: Verwaltung von Vorlagen, Angebotsdokumenten, Kundenkorrespondenz
Wichtig: Diese Kategorisierung stellt keine allgemeingültige Zuordnung dar, denn die konkrete Einordnung muss die spezifischen Gegebenheiten, Strukturen und strategischen Schwerpunkte des jeweiligen Unternehmens mit berücksichtigen.
Zusammenfassung
Theorie-Kenntnisse sind das Fundament für jeden IT-Berater. Dieses Modul hat folgende Kernpunkte vermittelt:
- IT-Beratung ist ein strategischer Dienstleistungsbereich, der technische und geschäftliche Anforderungen verbindet
- Kundenmanagement ist entscheidend für langfristigen Unternehmenserfolg
- CRM ist ein ganzheitlicher Ansatz mit strategischen, analytischen und operativen Komponenten
- Prozesse im Kundenmanagement werden in Führungs-, Leistungs- und Unterstützungsprozesse unterteilt
Im nächsten Abschnitt werden die Methoden vertieft: der IT-Beratungsprozess, Qualitätskennzahlen und Prozessanalyse.